Martin Jäggle

Von Redaktion ·

Menschen, die bewegen

Was treibt dich an?

Die Frage der Gerechtigkeit, schon von klein auf. Vielleicht hängt das auch mit den prekären Lebensverhältnissen zusammen, in denen meine Geschwister und ich groß geworden sind.

Wie kannst du dich immer wieder motivieren?

Das muss ich gar nicht. Alles, was ich tue, ist mir selbst wichtig.

Was kann dich so richtig ärgern?

Ignoranz. Und wenn Macht mit Dummheit verbunden ist, bringt mich das zur Weißglut.

Was ist dir politisch gelungen?

Mir allein ist in diesem Sinne gar nichts gelungen. Aber es ist vieles gelungen, an dem ich mitgewirkt habe. Dass Entwicklungspolitik universitär verankert wurde, dass ich durch geschichtlichen Zufall am Anfang stand, das würde ich zu dem zählen, was gelungen ist.

Hast du eine konkrete Vorstellung von einer besseren Welt?

Ich habe kein Idealbild von einer Welt. Perfekt ist nur die Hölle. Ich wünsche mir, dass wir in eine Richtung gehen, die für alle ein gutes Leben ermöglicht, ein Leben, das allen gut tut.

Martin Jäggle feierte am 9. Juni seinen 70. Geburtstag. Der Theologe, bis 2013 Universitätsprofessor für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, setzt sich seit Beginn der 1970er Jahre für entwicklungspolitische Bildung und Publizistik in Österreich ein. Er ist einer der Gründerväter des Vorläufers des Vereins Südwind und seit Erscheinen des Südwind-Magazins ohne Unterbrechung ehrenamtlicher Herausgebervertreter (vgl. Vorab, Seite 3).

Als Vorsitzender des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Österreich ist er auf katholischer Seite verantwortlich für den christlich-jüdischen Dialog. Er engagiert sich auch im islamisch-christlichen Dialog und hält Vorlesungen in Ökumene.

Was hast du falsch eingeschätzt?

Ich lebe nicht von Prognosen, ich lebe mehr von Visionen. Und ich bin immer darauf eingestellt, dass es auf dem Weg dorthin Schwierigkeiten gibt. Rückschläge sind auch notwendig, um konkreter an der Vision zu arbeiten.

Wo hat dir die Realität Recht gegeben?

Diese Frage habe ich mir noch nie so gestellt. Eine Stärke und eine Schwäche zugleich ist bei mir, das Mögliche in einer unmöglichen Situation zu erkennen. Und das zu stärken.

Wovon braucht die Welt mehr?

Solidarität. Und die Gewissheit, dass nur miteinander leben Sinn und Zukunft hat. Die Menschheit gibt es nur als Einheit.

Wenn heute ein junger Mensch sagt: „Ich will die Welt verbessern.“ Wo soll er anfangen?

Glokal. Es braucht eine Mischung von lokalem und globalem Engagement.

Marx oder Hegel? Materialist oder Idealist?

Letztlich können beide Richtungen zu Sackgassen werden. Wer an DIE Lösung glaubt, ist auf dem Weg zu einem autoritären Stil.    ki

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