Meeting Nairobi

Von Redaktion ·

Margit Niederhuber, Heike Schiller und Stephan Bruckmeier

Sachbuch mit zahlreichen Fotos. Mandelbaum Verlag, Wien 2012, deutsch/englisch, 60 Seiten, EUR 19,90

Nairobi ist eine Stadt voller Vielfalt und Gegensätze: ein modernes, westlich geprägtes Stadtzentrum und elegante Wohnviertel grenzen unmittelbar an Kibera, Mathare Valley, Soweto und Korogocho, die großen Armenviertel der Stadt. Heute leben in dieser größten Stadt Ostafrikas über drei Millionen Menschen, mehr als die Hälfte davon in Vierteln ohne Infrastruktur und Stadtplanung.

Viele Menschen betrachten die Stadt nicht als ihre Heimat, sondern als Ort, der bloß dazu da ist, Einkommen zu lukrieren. Trotz dieser offensichtlich anti-urbanen Kultur trifft man auch auf Menschen, denen es gelingt, sich mit dieser Stadt zu identifizieren. So zum Beispiel der Künstler Otiendo Gomba: „Die Stadt bedeutet viel für mich. Ich bin hier geboren. Nairobi heißt für mich: Wenn du hier leben kannst, dann kannst du überall in der Welt leben.“

„Meeting Nairobi“ ist ein Versuch, das Leben in dieser Stadt jenseits der allgegenwärtigen Klischees darzustellen. Das Buch bietet eine bunte Sammlung von Blitzlichtern auf die Überlebensstrategien der Stadtbevölkerung. Die AutorInnen lassen auf ihrer Reise durch Nairobi die Menschen selbst zu Wort kommen. Es sollte schließlich kein Buch über Nairobi, sondern ein von den BewohnerInnen selbst gestaltetes sein. Dies ist auch durchaus gelungen: In zahlreichen Interviews und Kurzessays erzählen sowohl SlumbewohnerInnen als auch VertreterInnen der Mittelklasse ihre Geschichten, die ausnahmslos von dem unbändigen Willen nach einem selbstbestimmten Leben geprägt sind. Zahlreiche Fotografien ergänzen und erweitern diese Einblicke. Sämtliche Texte sind in englischer und deutscher Sprache; zu den erwähnten Initiativen wird die entsprechende Website angegeben.

Das Buch ist kein Ersatz für einen Reiseführer; der Blick der AutorInnen richtet sich beinahe ausschließlich auf im Kunst- und Kulturbereich angesiedelte Initiativen und deren AkteurInnen. So findet man in erster Linie Porträts von (Lebens-)KünstlerInnen, SchriftstellerInnen, FilmemacherInnen sowie Theatergruppen. Wer sich mit Nairobi und den dort lebenden Menschen intensiver und fernab aller Klischees auseinandersetzen möchte, der wird mit diesem Buch seine Freude haben.
Verena Glaser

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