Mehr Jobs für Frauen

Die Globalisierung begünstigt - laut einer Studie der Vereinten Nationen - für Frauen den Zugang auf den Arbeitsmarkt. Sie führte allerdings zu keinem Rückgang geschlechtsspezifischer Diskriminierung.

Von Thalif Deen
Alle fünf Jahre veröffentlicht die UN-Abteilung für Wirtschafts- und Sozialangelegenheiten den Welt-Report zur Rolle der Frauen in der Entwicklung. Der diesjährige Bericht bildet die Grundlage für die Diskussionen auf einer im Juni nächsten Jahres geplanten Sondersitzung der UN-Vollversammlung. Dabei sollen die

Fortschritte seit der Weltfrauenkonferenz von Peking 1995 untersucht werden.

Die Beschäftigung von Frauen hat laut der UN-Studie in fast allen Regionen der Erde (mit Ausnahme Afrikas) in den letzten Jahren nicht nur stark zugenommen, sondern bildete "die Speerspitze des Jobwachstums". In vielen Industrieländern, allen voran Kanada, die USA und die skandinavischen Staaten stellen Frauen jetzt exakt die Hälfte der Erwerbstätigen. Dort sind fast 70 Prozent aller Frauen im leistungsfähigen Alter berufstätig.

Aber auch in den Entwicklungsländern haben sich der UN zufolge umwälzende Veränderungen vollzogen. In einzelnen Ländern sind dort

fast 60 Prozent aller Frauen berufstätig. Selbst in den Staaten des Nahen Osten, wo die Beteiligung von Frauen an wirtschaftlichen Aktivitäten noch recht niedrig ist, sind die Zuwachsraten inzwischen hoch.

Die schlechte Nachricht ist jedoch, daß nach Erkenntnissen der UN die verstärkte Einbindung von Frauen in den Arbeitsmarkt nicht zu einem Rückgang der geschlechtsspezifischen Diskriminierung geführt hat. So haben viele der Frauen in den Exportsonderzonen von Bangladesch und Pakistan keine Kontrolle über ihre Einkünfte durch die Erwerbstätigkeit. Etwa die Hälfte der Arbeiterinnen muß ihren Ehemännern oder anderen männlichen Mitgliedern der Familie, den Lohn abtreten. In vielen Fällen treten Männer als Arbeitsvermittler auf und kassieren den Lohn.

Trotz der gestiegenen Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt hat sich den UN zufolge ihre Belastung im Haushalt nicht verändert, da viele Männer sich nach wie vor weigern, bei der Hausarbeit und der Erziehung der Kinder mitzuhelfen. Für viele Frauen habe sich das Vordringen auf den Arbeitsmarkt daher zu einer kaum zu bewältigenden Doppelbelastung entwickelt.

Positiv bewertet der UN-Bericht die wachsende Zahl von Arbeitsmigrantinnen. Vor allem die Nachfrage nach Haushaltshilfen biete vielen Frauen eine Gelegenheit, legal in einem besser entwickelten Land zu arbeiten und verändert auch das Stereotyp vom

Mann als dem Ernährer der Familie.

Die Mehrzahl aller Arbeitsmigrantinnen kommt aus Indonesien, den Philippinen, Sri Lanka und Thailand. Die Hauptempfängerstaaten sind Brunei, Hongkong, Japan, Kuwait, Saudi-Arabien, Singapur und Taiwan.

Problematisch ist dabei nach Ansicht der UN jedoch die wachsende Zahl illegaler Migrantinnen, die vielfältigen Formen von Benachteiligung und Gewalt ausgesetzt sind. Vor allem die verstärkte Regulierung des Zustroms im Gefolge der Asienkrise hat die Zahl der Illegalen auf mehr als 700.000 Arbeiterinnen allein in Asien explodieren lassen.

ips-austria

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen