Mehr zahlen, länger leben

Die WHO empfiehlt eine Erhöhung der Tabaksteuer, um Millionen Menschenleben zu retten

Von Ralf Leonhard
42 Millionen RaucherInnen würden ihr Laster aufgeben, wenn die Zigarettenpreise durch höhere Besteuerung um 10% stiegen. Zu diesem Schluss sind die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Weltbank in einer gemeinsamen Studie gekommen. Das am 8. August veröffentlichte Dokument mit dem Titel "Tabakkontrolle in Entwicklungsländern" rechnet den Finanzministern vor, dass sie trotz geringeren Tabakumsatzes an der Sucht ihrer MitbürgerInnen um 7% mehr verdienen würden. Gleichzeitig könnte der vorzeitige Tod von zehn Millionen RaucherInnen vermieden werden, 90% davon in armen Ländern. In Ländern mit hohem Einkommen verschlingt die Behandlung von Raucherkrankheiten zwischen 6 und 15% der Gesundheitsausgaben.

30% aller Zigarettenexporte - das sind jährlich 355 Milliarden Zigaretten - gelangen durch Schmuggel an ihren Bestimmungsort. Höhere Besteuerung würde den illegalen Handel weiter in die Höhe treiben, geben die Autoren der über 500 Seiten starken Studie zu. Deswegen empfehlen sie schärfere Maßnahmen gegen den Schmuggel.

Die Befürchtung, dass geringerer Tabakkonsum Arbeitsplätze kostet, hält Prabhat Jha, einer der Autoren, für nicht gerechtfertigt: "Das Geld, das vorher für Tabak ausgegeben wurde, wird in andere Güter und Dienstleistungen investiert und schafft neue Jobs." Wenn die Nachfrage weltweit zurückginge, würden allerdings einige Tabakexporteure, vor allem afrikanische Länder südlich der Sahara, während einer Übergangsperiode Unterstützung benötigen.

Sollten die Rauchgewohnheiten der Menschheit sich nicht ändern, würde im 21. Jahrhundert eine Milliarde Menschen frühzeitig sterben, zehnmal mehr als im 20. Jahrhundert durch Tabakeinwirkung starben.

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