Menschen aus Papier

Von Michaela Krimmer ·

Salvador Plasencia

Roman. Aus dem Englischen von Conny Lösch. Edition Nautilus, Hamburg 2009. 288 Seiten, € 20,50

Dieses Buch zu beschreiben ist schwer. Es ist schon schwer, seinem Inhalt zu folgen. Der US-Mexikaner Salvador Plasencia nimmt uns in seinem Roman auf eine Reise in seine Fantasie mit, die doch realer ist, als es manchmal scheint: In Mexiko und Kalifornien und all den Dörfern und Straßen dazwischen gibt es Menschen aus Papier, gibt es die Sucht, sich selbst zu verbrennen, um die Traurigkeit nicht mehr zu spüren, da gibt es ein Mädchen, dessen Sucht nach Limonen ihm die Zähne verfault, da gibt es Wunder, die Menschen wieder von den Toten auferstehen lassen.

Selbst optisch ist das Buch ein – sagen wir: charmantes – Chaos: Verschiedene Schriftarten, verschiedene Erzählstimmen wechseln sich mit schräg geschriebenem Text, Grafiken und Ikonen ab und lassen die LeserInnen denken: „Ich verstehe rein gar nichts.“ Die Kunst, dieses Buch doch genießen zu können, liegt darin: loslassen und sich reinfallen lassen. Nicht nachdenken, was der tiefere Sinn sein könnte. Nicht versuchen zu verstehen, wofür dies und jenes ein Symbol sein könnte. Dann wird das Buch zum Hochgenuss.

Saturn, eine höhere Instanz, beobachtet alles. Die mexikanischen BlumenarbeiterInnen im kalifornischen El Monte versuchen, seinen Blicken zu entkommen. Die einzige Möglichkeit dazu scheint zu sein, sich in Blei zu hüllen. Rosenblätter kauend versuchen sie, die Revolution zu planen und sich den Blicken Saturns zu entziehen.

Salvador Plasencia, Sohn mexikanischer Einwanderer, aufgewachsen in den Blumenplantagengebieten Kaliforniens, verarbeitet in diesem Buch seine eigenen Erfahrungen im migrantischen Umfeld auf fantastische Weise. Manche vergleichen ihn bereits mit dem großen kolumbianischen Meister des magischen Realismus, Gabriel García Márquez. Und auch wenn Fantasie, Charme und schrullige Ereignisse in der ersten Hälfte des Buches tatsächlich auf einen Nachfolger des großen Schriftstellers aus Macondo hoffen lassen, macht das der zweite Teil zunichte. Die Handlung wird schwerfällig, die Gedanken drehen sich im Kreis, der Autor selbst tritt im Buch auf.

Die unkonventionelle Art des Buches sticht aus der Literaturlandschaft hervor, doch der Autor scheint noch nicht ganz zu seiner Reife gelangt zu sein.
 

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