Menschen, die bewegen: Gerda Pohl

Von Christina Schröder · · 2022/Sep-Okt

Wo sind Sie am liebsten?

In Nepal. Unter anderem, weil es mir dort möglich ist, einen weniger aufwendigen Lebensstil zu führen als in Europa, in puncto Ressourcenverbrauch. Außerdem kann ich dort meine Privilegien, die ich zweifelsohne mitbekommen habe im Leben, besser für andere zur Verfügung stellen.

Was ist Ihrer Meinung nach die beste Medizin?

Allgemein gesagt, das, was jedem Individuum zu einem bestimmten Zeitpunkt am besten hilft. Jeder Mensch ist anders, deswegen brauchen wir auch unterschiedliche Behandlungsansätze.

Worauf achten Sie, wenn Sie jemandem zum ersten Mal begegnen?

Ich kann mich oft nach kurzer Zeit nicht mehr an das Aussehen einer Person erinnern, sehr wohl aber an die Atmosphäre des Zusammenseins. Da verlasse ich mich viel auf Intuition.

Gerda Pohl © Christina Schröder / SWM

Gerda Pohl wurde 1968 in Leoben in der Steiermark geboren. Weil ihr Vater als Geologe auch im Ausland tätig war, lebte die Familie zeitweise in Australien und Afrika. Dort wollte Pohl später als Ärztin arbeiten und so studierte sie Medizin: zuerst in Deutschland, dann machte sie eine medizinische Fortbildung in England.

Inspiriert von einem Urlaub in Nepal, arbeitete sie dort später ehrenamtlich für eine NGO als Ärztin.Dann ging Pohl zurück nach England und gründete mit Freunden 2006 die NGO Phase (sowie Phase Austria), die sich für Gesundheit, Bildung und Armutsbekämpfung in abgelegenen Regionen Nepals einsetzt. Nach acht Jahren in Europa ging sie zurück dorthin und arbeitete bis 2019 in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Kathmandu. Seither ist sie medizinische Leiterin des Gurkha Welfare Trust, einer Institution für pensionierte Nepalis, die für die britische Armee gedient haben.

phaseaustria.org

Welche Superheldinnenkraft hätten Sie gerne?

Ich bin kein Fan von diesem Konzept. Denn wenn man etwas besonders gut kann, geht der Blick aufs Ganze verloren. Außerdem muss es isolierend sein, wenn man über eine besondere Kraft verfügt.

Was würden Sie tun, wenn Sie nicht scheitern könnten?

Ein Leben ohne Scheitern ist für mich schwer vorstellbar. Aber als Utopie sehe ich eine Weltregierung, die sich für eine ausgeglichene Verteilung der Ressourcen und für Völkerverständigung einsetzt.

Was macht Sie traurig?

Konflikte, die auf dem Rücken der Ärmsten ausgetragen werden, beispielsweise in Afghanistan oder Myanmar, sowie die Tatsache, dass die Menschheit in Sachen Ressourcenverbrauch den Kopf in den Sand zu stecken scheint.

Wovon braucht die Welt mehr, um eine bessere zu werden?

Wir benötigen vor allem weniger. Weniger Geiz, Konflikte, Selbstzentrierung …

Wovon braucht die Welt mehr?

Vielfalt und Respekt davor. Niemand soll sich für seine Herkunft, Hautfarbe oder das Geschlecht rechtfertigen müssen.

Welche gute Tat kann jede*r hierzulande heute noch tun?

Versuchen, sich bewusst zu werden, was man selbst bzw. was andere im Leben wirklich brauchen – und was nicht. Und, freundlich und tolerant zu sein, sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber.

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