
Im Rahmen eines Redewettbewerbs haben Sie Ihre Stimme zum Thema Gewalt gegen Frauen erhoben. Warum?
Als Kind in Afghanistan habe ich erlebt, wie Frauen von Männern auf offener Straße geschlagen wurden. Aber nicht nur dort passiert Gewalt gegen Frauen, sondern überall auf der Welt. Permanent. Oft in Form unsichtbarer Grenzüberschreitungen, die als solche erkannt und gestoppt werden müssen. Darüber müssen wir reden.
Was macht Sie wütend?
Dass es auf der Welt so viele Projekte für Gleichberechtigung von Frauen gibt, und dennoch relativ wenig besser wird. Ein Beispiel ist Afghanistan! Erst gestern habe ich mit einem Mann aus Afghanistan diskutiert. Er ist der Meinung, dass die Taliban für mehr Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität im Land sorgen. Er übersieht jedoch, was der Gesellschaft auf Dauer abhandenkommt, wenn Frauen nicht mehr zur Bildung und zum Wohlergehen der gesamten Gesellschaft beitragen dürfen.
Welche Frau ist Ihr Vorbild und was haben Sie von ihr gelernt?
Meine Mama! Sie ist die stärkste Frau, die ich kenne. Sie hat mir vorgelebt, wie wichtig es ist, sich nicht durch die eigenen Gedanken oder die von anderen Menschen unterdrücken zu lassen. Wenn ich nicht aufgebe, kann ich alles schaffen!
Was ist für Sie und Ihr Frausein besonders wichtig?
Dass ich meine Ziele ohne die Unterstützung eines Mannes verfolgen und erreichen kann. Dazu gehört auch, dass ich mich für andere Frauen einsetzen kann, die dazu gerade nicht fähig sind.
Welchen Rat geben Sie an Frauen weiter?
In meiner Kultur, aber auch in der hiesigen, wird sehr viel Wert daraufgelegt, was die anderen über einen sagen. Ich sage: Schau auf dich selbst und lebe so, dass du dich im Spiegel zufrieden anlächeln kannst.
Wovon braucht die Welt mehr?
In Zeiten, in denen wir ständig versucht sind, irgendwelchen Menschen auf Social Media Glauben zu schenken, die uns für ihre Zwecke manipulieren wollen, ist ein ehrlicher Umgang miteinander wichtiger denn je.
Was kann jede:r heute noch Gutes für seine oder ihre Mitmenschen tun?
Aufmerksamkeit verschenken, Fürsorge zeigen. Mit einer einfachen Umarmung oder einer Nachfrage nach dem Befinden, können wir zu mehr Wohlergehen in unserem Umfeld beitragen!
Mutahera Ibrahimi wurde 2006 in einem Dorf nordöstlich von Afghanistans Hauptstadt Kabul geboren. Dort besuchte sie neun Jahre lang die Schule, bis sie im Jahr 2015 aufgrund des Krieges mit ihren Eltern und ihren zwei Geschwistern fliehen musste. Schließlich gelangten sie ins oberösterreichische Bad Schallerbach. Ibrahimi lernte innerhalb kürzester Zeit Deutsch und trieb viel Sport. Mittlerweile besucht sie die 7. Klasse des St.-Franziskus-Gymnasiums in Wels. Dort engagiert sie sich unter anderem im Team einer Klima-Arbeitsgruppe für Nachhaltigkeit. Im Vorjahr kam sie außerdem ins Finale eines Redewettbewerbs der Soroptimistinnen, eine weltweite Organisation, die sich für Frauenrechte sowie Bildung, Gleichberechtigung und Frieden einsetzt. Nach der Matura möchte sie Medizin studieren und Chirurgin werden.
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