Menschen, die bewegen: Niyazi Sanli

Von Christina Schröder · · 2022/Mar-Apr

Warum engagieren Sie sich bei Amnesty International?

Mein Bruder und tausende unschuldiger Menschen wurden unter dem türkischen Präsidenten Erdoğan inhaftiert. Meine Familie und ich können in der Türkei nicht mehr in Sicherheit leben, deswegen sind wir hier. Ich engagiere mich bei Amnesty International Österreich in Wien, weil ich mich gegen Menschenrechtsverletzungen einsetzen will.

Was inspiriert Sie als Schriftsteller?

Die Kriegserlebnisse in Tschetschenien haben mich traumatisiert. Ein Therapeut sagte mir, dass ich schreiben solle, um sie zu verarbeiten. Seither habe ich nicht damit aufgehört.

Mit welcher bekannten Persönlichkeit würden Sie gerne einen Kaffee trinken?

Mit Lew Tolstoi. Er fasziniert mich als Person und Schriftsteller. Ich würde ihn fragen, warum er freiwillig für die russische Armee in zwei Kriege zog, obwohl er gar kein Kriegsbefürworter war.

Niyazi Sanli / © Christina Schröder / SWM

Niyazi Sanli wurde 1971 in einem Dorf nahe der westtürkischen Stadt Izmir geboren. Er machte ein Lehramtsstudium und ging für zwei Jahre nach Kirgistan, um dort Türkisch zu unterrichten. Dann zog er weiter nach Tschetschenien. Als nach einem Jahr Krieg ausbrach, kehrte er zurück in die Türkei und arbeitete als Lehrer und Schulleiter.

In dieser Zeit verfasste Sanli über 20 Bücher: Romane, Kinderbücher und Drehbücher für Film und Theater. Nach einem gescheiterten Putsch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdog˘an 2016 wurden Sanlis Bücher verboten und er wie viele andere regimekritische Menschen politisch verfolgt. 2018 flüchtete er nach Österreich.

In Wien macht er die Ausbildung zum Freizeitpädagogen und übersetzt seine Bücher auf Deutsch und Englisch. Seit zwei Jahren engagiert sich Sanli bei Amnesty International Österreich.

In welchen Momenten fühlen Sie sich rundum zufrieden?

Wenn ich alleine bin, denn da kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen. In Anwesenheit anderer Menschen fühle ich mich eingeschränkt.

Sie haben schon in mehreren Ländern gelebt, was hat sie wo am meisten beeindruckt?

Seitdem ich das erste Mal im Ausland lebte, in Kirgistan, fasziniert mich die Andersartigkeit der Menschen, insbesondere bezüglich ihrer Weltanschauung.

Können Worte die Welt verändern?

Ich glaube, dass Worte stärker sind als Waffen. Denn: Veränderungen brauchen Zeit. Worte können Menschen nachhaltig überzeugen, Waffen können das nicht.

Was würden Sie ändern, wenn Sie die Macht dazu hätten?

Ich würde die Nationalstaaten und ihre spezifischen Gesetze abschaffen. Wir sollten uns alle als Weltbürger und -bürgerinnen verstehen und uns alle dafür verantwortlich fühlen, dass es uns gut geht.

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