Menschliche Ersatzteile

Von Irmgard Kirchner
Shefali, von ihrem Mann verlassen: 2005 war sie in Bangladesch die erste Frau, die ein Auge zum Verkauf anbot.

Die Geschichten berühren, sie gehen an die Nieren. Wenn Menschen einen Teil ihres Körpers, eine Niere spenden, um einem nahe stehenden Menschen das Leben oder die Lebensqualität zu retten. Prominentestes Beispiel in Österreich ist Niki Lauda, der bereits zwei Spendernieren erhalten hat, eine von seinem Bruder und eine von seiner (späteren) Frau. In Salzburg fand kürzlich im Landeskrankenhaus ein Info-Tag zum Thema Nieren-Lebendspende statt. Sie ist in Österreich eher die Ausnahme als die Regel. Dabei hat sie medizinisch große Vorteile. Nieren von Blutsverwandten passen immunologisch besser, die Operation kann ohne jahrelange Wartezeit auf ein Spenderorgan stattfinden und genau vorbereitet werden. Und: eine lebendig gespendete Niere ist haltbarer.

Andere Geschichten gehen auch an die Nieren: Wenn in den Elendesvierteln der Welt arme Menschen aus wirtschaftlicher Not eine ihrer Nieren verkaufen und dafür nur einen Bruchteil dessen erhalten, was die VermittlerInnen und andere an dem Geschäft Beteiligte verdienen.

Folgende Thema-Seiten, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben, zeigen eine wenig bekannte Facette des Menschenhandels auf: den internationalen Organhandel, ein extrem lukratives Geschäft. Die meisten illegalen Nierentransplantationen werden in so genannten Entwicklungsländern durchgeführt. An ihnen sind oft AkteurInnen aus vier oder fünf Ländern beteiligt.

Dieser Transplantationstourismus kommt allerdings sowohl EmpfängerInnen als auch SpenderInnen teuer. Verboten ist er fast überall. Doch die globalen OrganhändlerInnen machen sich die fließenden Grenzen zwischen Altruismus und Geschäft zunutze: Denn im Gegensatz zu anderen Spielarten der organisierten Kriminalität wie Drogen- oder Waffenhandel werden durch den Organhandel Leben gerettet.

Unter einem anderen Blickwinkel wird durch den Transplantationstourismus die Hybris des reichen Teils der Menschheit auf die Spitze getrieben: Weil dieser sich nicht mit seiner Endlichkeit und bescheideneren Möglichkeiten der Medizin abfinden will, werden Arme zu menschlichen Ersatzteillagern für Reiche.

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