Mexiko und seine Justiz

Eine Veranstaltungs- und Ausstellungsreihe in Österreich schildert an Hand eines Ehepaares das Schicksal der politischen Gefangenen in Mexiko.

Von Werner Hörtner
Am 19. Oktober vor zehn Jahren wurde Jacobo Silva Nogales unter der Anschuldigung, Mitglied der politisch-militärischen Widerstandsorganisation "Revolutionäre Armee des aufständischen Volkes" (ERPI) zu sein, von als Bettlern verkleideten Polizisten verhaftet und schwer gefoltert.
Am 22. Oktober desselben Jahres wurde seine Frau Gloria Arenas ebenso entführt, verhaftet und gefoltert. Beide wurden unter konstruierten Anschuldigungen in einem irregulären Prozess zu je 49 Jahren, 11 Monaten und 29 Tagen Haft verurteilt. Sie konnten in der Folge alle Anklagepunkte mit Ausnahme des Delikts der Rebellion (mit einem Strafausmaß von 6 Jahren, 11 Monaten und 19 Tagen) widerlegen. Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen nahmen sich des Falls der beiden an, die als gewaltlose politische Gefangene eingestuft wurden. Am vergangenen 12. März wurde ihrem Rekurs gegen die Verfassungswidrigkeit ihrer Haft stattgegeben; die beiden müssten sofort entlassen werden, doch der mexikanische Staat weigert sich, sie freizugeben.

Gloria Arenas hat im Gefängnis begonnen, Gedichte sowie Texte zum Spannungsfeld Frau, Widerstand und Gefangenschaft zu schreiben; Jacobo Silva begann autodidaktisch zu malen. Seine Bilder sind ein eindrucksvolles Zeugnis der Grausamkeiten, die ihm nach seiner Gefangennahme angetan wurden.
Elizabeth Silva Nogales, Schwester des politischen Gefangenen und selbst soziale Aktivistin, kommt Ende April nach Österreich und wird hier auf zahlreichen Veranstaltungen und bei Ausstellungen auf das Schicksal ihres Bruders und ihrer Schwägerin aufmerksam machen. Es werden Gemälde von Jacobo Silva präsentiert und Gedichte von Gloria Arenas gelesen.
Frau Silva wird von Ricardo Loewe begleitet, in Mexiko-Stadt als Sohn eines österreichischen Emigrantenpaars geboren, Arzt und Menschenrechtsaktivist, Mitbegründer des "Kollektivs gegen Folter und Straffreiheit" (CCTI). Loewe wird in seinen Vorträgen unter anderem Analysen zur neoliberalen Entwicklung in Mexiko und deren Auswirkung auf die politischen und sozialen Verhältnisse im Lande liefern.

Organisiert werden die Veranstaltungen vom Solidaritätskomitee Mexiko Salzburg und der ÖH Salzburg. Weitere Infos auf www.jacobosilva.org, Kontakt soli-mex-sbg@gmx.at, Tel. 0681/1076 9585.

Termine
Am 28.4. in Linz (Kepler Universität, Hörsaal 2, 19:00), am 6.5. in Salzburg (Universität, Hörsaal 380, 19:00), 14.5. in Graz (K-F-Universität, Hörsaal 6.2, 18:30), am 15. 5. (Galerie Wesensart, 7., Kirchberggasse 11, 19:00) und 16.5. (Centro Once, 11., Schneidergasse 15a, 19:30) in Wien. Vom 29.4. bis 8.5. sind die Gemälde von Jacobo Silva außerdem in der Uni Salzburg zu sehen.

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