Michael Kühnel

Menschen, die bewegen

Sie haben für das Rote Kreuz bei Auslandseinsätzen in verschiedenen Krisenregionen gearbeitet – was macht Ihnen Angst?

Die politische Zukunft macht mir Angst – wo sich Österreich hinbewegt: Menschenleben werden geringgeschätzt, Aggressionen im Internet immer offener ausgelebt. Ich habe Angst, dass verbale Gewalt in noch umgreifendere Gewalt übergeht.

Wenn Sie wissen würden, dass die Welt in einem Jahr untergeht, was würden Sie tun?

Reisen – nach Island, Neuseeland, Australien. Auch, um meinen Kindern die Natur zu zeigen.

Welche Eigenschaft, die Sie nicht haben, hätten Sie gerne?

Geduld. Ich bin ein Getriebener, immer auf der Suche. Dementsprechend kann ich nur selten Ruhe geben. Im Moment aber fühle ich mich wegen der Familie angekommen und genieße es.

Wer inspiriert Sie?

Kinder, weil sie so uneingeschränkt ehrlich und offen sind. Die kleine Tochter meiner Partnerin sagt mir mitunter sehr direkt, was sie vom  Essen hält, das ich koche. Erwachsene haben selten den Mut, so ehrlich zu sein, bzw. tun sich schwer damit. Ansonsten inspirieren mich Menschen, die für ihre menschenrechtlichen Überzeugungen einstehen, wie Carola Rackete.

Was würden Sie ändern, wenn Sie die Macht dazu hätten?

Ich würde Weltfrieden schaffen. Ich würde Leute regieren lassen, die wissen was sie machen und sich für das Wohlergehen aller Menschen einsetzen.

Welche gute Tat kann jeder hierzulande heute noch tun?

Einfach anderen Menschen helfen. Das muss nicht finanziell sein oder über Organisationen laufen. Wir alle haben in unserem Umfeld z.B. ältere Nachbarinnen oder Nachbarn, die wir unterstützen könnten.

Warum tun sich viele so schwer damit, „einfach“ zu helfen?

Weil sich unsere Gesellschaft gewandelt hat. Wir leben in einer Neidgesellschaft, in der die Menschen wollen, dass andere, und zwar vor allem Schwächere – z.B. Geflüchtete –, nicht mehr haben als sie selber.

Sie haben die Möglichkeit, vor der ganzen Welt eine Rede zu halten. Was sagen Sie?

„Es gehört viel mehr geschmust auf der Welt.“ Vielleicht wären dann alle ein bisschen glücklicher.

cs

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