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Misstrauen auf der Insel Manus

Der Disput um die Schließung eines Flüchtlingslagers in Papua-Neuguinea zeigt die drastischen Folgen der umstrittenen australischen Flüchtlingspolitik.

Von Kevin Rennie

Im kürzlich außer Betrieb genommenen Flüchtlingsanhaltelager auf der Insel Manus in Papua-Neuguinea droht eine humanitäre Krise. Die Einrichtung, in die Australien jahrelang die an seinen Küsten gestrandeten Flüchtlinge schickte und die Papua-Neuguinea bezahlt, stand schon länger in der Kritik. Im April 2016 hatte der Oberste Gerichtshof die Schließung angeordnet, nachdem er festgestellt hatte, dass die Anhaltung von Asylsuchenden dort illegal ist.

Ende Oktober 2017 erfolgte die offizielle Schließung. 600 AsylwerberInnen weigern sich allerdings, in andere Einrichtungen zu wechseln und führen an, sie hätten kein Vertrauen zu den Behörden und fürchteten Gewalt. Einen Antrag auf Wiederherstellung der Grundversorgung im Lager lehnte der Oberste Gerichtshof Autraliens ab.

Die USA erklärten sich bereit, etwa 50 Flüchtlinge aufzunehmen – die Vereinbarung wurde vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama im September 2016 ausgehandelt und widerwillig vom jetzigen Amtsinhaber Donald Trump akzeptiert –, die Umsetzung geht aber schleppend voran. Ein Angebot von Neuseeland, 150 Flüchtlinge aufzunehmen, nahm der australische Premier hingegen bislang nicht an. Dies verstärkt das Misstrauen der Asylsuchenden gegenüber der Regierung.

Der iranische Journalist Behrouz Boochani erklärte auf Facebook, warum die Insassen trotz der prekären Bedingungen das Lager nicht verlassen wollten: „Wir haben kein Verbrechen begangen und sind müde, im Gefängnis festgehalten zu werden. Die Flüchtlinge haben keinen Grund, der australischen Regierung zu trauen, die für uns in den vergangenen vier Jahren nur Lügen und mangelnden Respekt übrig hatte.“

Boochani hat bereits mehrere Artikel für die britische Zeitung Guardian verfasst und mit seinem Mobiltelefon eine Dokumentation über das Leben im Lager gedreht, die auf verschiedenen Filmfestivals gezeigt wurde. Auch andere Flüchtlinge schilderten die Zustände, etwa auf Twitter oder Youtube.

In Australien fanden bereits mehrere Demonstrationen gegen die Situation auf Manus statt, auch in den sozialen Medien laufen Kampagnen, die fordern, dass die Flüchtlinge nach Australien gebracht werden. Die australische Bevölkerung ist bezüglich der Flüchtlingspolitik stark polarisiert, Umfragen zufolge stehen auch viele hinter dem harten Zugang der Regierung.

Kevin Rennie ist pensionierter Lehrer, Gewerkschafter und Mitglied der Australischen Labour Party. Der Text erschien zuerst in einer längeren Version auf: globalvoices.org

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