„Mit Gewalt lösen wir diesen Konflikt nicht“

Neles Tebay, der Gründer des Friedensnetzwerkes Papua, im Gespräch mit Anett Keller.

Neles Tebay: Die Regierung hält „Dialog“ für eine Forderung der Separatisten.

Südwind Magazin: Auf dem Dritten Papua Volkskongress Mitte Oktober haben sich die Teilnehmer für die Unabhängigkeit Papuas ausgesprochen. Warum?
Neles Tebay:
Die Deklaration ist ein Ausdruck der Enttäuschung über das Versagen der Regierung bei der Implementierung des Sonderautonomiegesetzes von 2001. Die Menschen in Papua haben den Glauben daran verloren, dass die Regierung dieses Gesetz zukünftig besser umsetzen will.

Bereits vor dem Kongress haben uns in den letzten Wochen zahlreiche Nachrichten von tödlichen Schusswechseln in Papua erreicht. Warum hat sich die Gewalt derart zugespitzt?
Wie es scheint, haben bestimmte Gruppen ein Interesse daran, den Konflikt in Papua auf eine andere Ebene zu bringen. Der Papua-Konflikt ist ein vertikaler Konflikt, zwischen Papuas Lokalbevölkerung und der Zentralregierung in Jakarta. Aber durch diese Gewaltakte wird daraus ein horizontaler Konflikt zwischen den Menschen in Papua selbst.

Wer steckt hinter diesen Gewaltakten?
Es ist Aufgabe der Polizei, die Täter zu finden. Aber aus der Art, wie Gewalt organisiert wird, lässt sich erkennen, dass es offenbar darum geht, einen Konflikt zwischen Papuas Ureinwohnern und Migranten zu initiieren.

Im Konflikt zwischen Papua und Jakarta setzen Sie sich für einen Dialog ein. Wo stehen die Konfliktparteien heute?
Jakarta hält „Dialog“ für eine Forderung der Separatisten, nur, weil der Wunsch nach Dialog zuerst aus Papua kam. Deshalb benutzt kein Regierungsvertreter das Wort „Dialog“.

Doch statt Dialog gab es nun beim Volkskongress eine Unabhängigkeitserklärung und danach tödliche Schüsse auf Demonstranten und hunderte Festnahmen.
Das Militär und die Polizei sind sehr brutal gegen unbewaffnete Zivilisten vorgegangen. Die Geschehnisse der letzten Wochen beweisen, wie wichtig ein Dialog für Jakarta und Papua wäre. Mit Gewalt und Blutvergießen werden wir diesen Konflikt nicht lösen.

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