Modell Südwind-Magazin

Von B.P.
So früh wie möglich, so rasch wie möglich - das ist ein unverrückbares Prinzip im journalistischen Alltag. Für manche LeserInnen waren die Entwicklungspolitischen Nachrichten (EPN) bereits vor Jahren viel zu schnell. EPN brachte manche Themen in Österreich als erstes Medium aufs Tapet - HIV/Aids etwa im Jahre 1987. Einem Beamten des Außenministeriums war das doch zu bunt. In einem Briefentwurf des Außenministers an die ÖVP-Landeshauptleute verstieg er sich zur Feststellung, dass die EPN nichts Besseres zu tun hätten, als „sich über die Verwendung von Kondomen bei Prostituierten in Uganda den Kopf zu zerbrechen“.
Ganz allgemein wird das Gespür der Redaktion, Themen zu entdecken, zu benennen und Ereignisse, Probleme oder Entwicklungen zum Thema zu machen, geschätzt. Helmuth Hartmeyer, ehemaliger ÖIE-Geschäftsführer und heute Leiter Abteilung Entwicklungspolitische Kommunikation und Bildung der ADA, meint: „Ich blättere immer wieder alte Nummern durch, weil ich Bestimmtes suche, und dann sehe ich, wie oft ein Thema im SWM behandelt worden ist, ein, zwei Jahre bevor es allgemein aufgegriffen wurde.“

Heute ist es einfacher als im Jahre 1979, aktuelle, gut geschriebene Artikel aus aller Welt zu erhalten, mit authentischen Fotos. Die Neuerungen auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien werden von der Redaktion konsequent eingesetzt. KorrespondentInnen gleichgesinnter Zeitungen werden „mitgenutzt“. Viele JournalistInnen und begabte HobbyschreiberInnen reisen und fotografieren wirklich gut. Und alles wird von Profis zum SÜDWIND-Magazin verarbeitet. „Am meisten gelernt habe ich im Laufe der Jahre bei den monatlichen Redaktionskonferenzen“, erzählt eine langjährige Mitarbeiterin. Hart, aber herzlich werden Fehler aufgezeigt, Konzepte und Themen diskutiert.
Die Erfolgsgeschichte des SWM wurde schon mehrfach erzählt: zum 10- und 20-jährigen Bestehen. Tatsache ist, dass es im gesamten deutschsprachigen Raum keine vergleichbare Zeitschrift gibt. Eine Kollegin aus Deutschland sagt: „Wir sprechen vom Modell SÜDWIND.“ Gemeint ist, den Versuch gewagt zu haben, eine ernsthafte entwicklungspolitische Zeitschrift in Form eines Magazins herauszubringen.

Stefan Schennach war der erste, der die Idee des Magazins beharrlich verfolgt hat: „Es hat mir meine ersten grauen Haare gebracht, aber ich wusste, dass die Umsetzung journalistischer Grundelemente, die radikale Hebung der Bedeutung des Bildes und der Einzug von Farben dem Thema Entwicklungspolitik nicht schaden würden. Im Gegenteil, mehr Menschen könnten angesprochen werden.“ Viele MitstreiterInnen der ersten Stunden machten diesen Wechsel nicht mit und haben die Zeitschrift abbestellt. Ein Magazin war ihnen dem Ernst der Themen nicht angemessen.
Redaktion und Herausgeber sind überzeugt davon, dass der Weg richtig war. Das Halten der Abo-Zahlen in diesen ökonomisch schwierigen Zeiten ist allein schon ein Erfolg. Im vorigen Jahr krönte eine ehrende Anerkennung der Jury des „Claus Gatterer Preises“ die Arbeit des SÜDWIND-Magazins.

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