Nachhaltiger Tourismus

Von Frank Hermann ·

Bereits Ende der 1970er Jahre regte sich Widerstand gegen Betonburgen an Mittelmeerstränden, Staus in den Alpen oder kommerzialisierte „Indianerdörfer“.

„Sanfter“, „Integrativer“ oder „Öko“-Tourismus nannten sich die alternativen Konzepte. Die Namen änderten sich, die Probleme blieben. Ende der 1980er Jahre kam der Begriff Nachhaltigkeit auf.

Die Agenda 21 der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1992 ist eine verbindliche Richtlinie für eine allgemeine ökologische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Das Konzept wurde in der Folge von tourismuspolitischen Organisationen aufgegriffen. Das deutsche Forum Umwelt und Entwicklung präsentierte 1999 bei einer UN-Konferenz in New York folgende Definition: „Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, in Bezug auf heutige wie zukünftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig.“

Tipps zum „anders“ reisen. Im globalen Süden sind nachhaltige Tourismusprojekte in Pionierländern wie Costa Rica oder Südafrika leicht zu finden. In vielen anderen Ländern muss man gezielt nach ihnen suchen. Dabei helfen moderne Reiseführer, etwa die Stefan Loose Travel Handbücher oder das ReiseveranstalterInnen-Netzwerk Forum Anders Reisen. Gut aufbereitet sind auch die Sympathiemagazine des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung. Vor einer Reise in politisch sensible Länder wie Kuba, Myanmar oder Sri Lanka bei Menschenrechtsorganisationen vorab informieren!

Infos:

forumandersreisen.de

sympathiemagazin.de

Im Dschungel der Zertifizierungen. Es gibt mehr als 140 Siegel für nachhaltigen Tourismus. Die wenigsten VerbraucherInnen kennen sie, da die Siegel nicht den Wiedererkennungswert haben wie jene im Supermarkt.

Zudem beschränken sich Siegel häufig auf die Zertifizierung von Teilen der Reise – insbesondere die Unterkunft, obwohl 75 Prozent der tourismusbedingten Emissionen aus dem Verkehr stammen.

Besonders bei längeren Flugreisen dominiert der CO2-Ausstoß die ökologische Gesamtbilanz der Reise. Manche Siegel, wie etwa das TourCert-Siegel, berücksichtigen diese Problematik. Es wird nur vergeben, wenn nach einer langen Anreise auch die Aufenthaltsdauer entsprechend länger ausfällt, Inlandsflüge im Zielland vermieden werden oder die CO2-Kompensation im Reisepreis enthalten ist.

In Österreich sind bis dato nur zwei Anbieter Mitglied im Forum Anders Reisen, die das TourCert-Siegel vorweisen müssen: PDM Tourism Group und Rhomberg Reisen. Indigourlaub befindet sich im Check.

Empfehlenswert ist auch das Gütesiegel Fair Trade Tourism aus Südafrika, das sich an den Prinzipien des fairen Handels orientiert.

Frank Herrmann ist vielgereister Reisebuchautor und Tourismusexperte. Er lebt in Offenburg in Deutschland und veröffentlichte 2016 das Buch FAIRreisen, oekom Verlag München, 2016. Das Buch beinhaltet auch Reisetipps.

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