Neulich im Supermarkt

Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden Produkte des Fairen Handels in einem Supermarkt in Wien offensiv beworben. Ein Erlebnisbericht von Martina Seehuber.

Eilige Menschen ziehen an mir vorbei. Und doch, ab und zu entdecke ich ein interessiertes Gesicht, das zu mir herüber blickt. "Kann ich Ihnen eine Tasse Kaffee anbieten?" Zum Einstieg ein interessantes Gespräch über die Länder des Südens und den Fairen Handel.

Bei einer Tasse Kaffee unterhalte ich mich mit sehr unterschiedlichen Leuten - ältere, jüngere, Männer, Frauen und Kinder kommen zu meinem Fairtrade-Stand, hier in einem Supermarkt am Rande Wiens. Neben dem Fairtrade Bio-Kaffee biete ich auch eine Vielzahl an Fairtrade Bio-Schokoladen an. Und Information zum Thema Fairer Handel.

Gewissenhaft meint eine ältere Dame gleich am Morgen, dass sie immer die Fairtrade Bio-Bananen kaufe. Eine andere erzählt, dass sie sich über die Vielfalt der Schokoladen freue, die von Vollmilch über herb bis zu Bananensplit und Himbeere reicht. Nur wo es den Fairtrade Kaffee gebe, wisse sie nicht, bedauert sie. Ich erzähle, dass er bei Spar, Billa, Merkur, Zielpunkt sowie in den Weltläden erhältlich ist. Der Kaffee war das erste Fairtrade-Produkt im Supermarkt, erstmals im Jahr 1993 von Spar angeboten.

Während die Frauen meinen Worten lauschen, gesellt sich ein Herr mittleren Alters zu uns. Ich frage ihn, ob auch er gerne eine Tasse Bio-Kaffee trinken möchte. Etwas erstaunt sieht er mich an. Ja, schon, meint er, aber was ist das für ein Kaffee? Ich reiche ihm eine Tasse und erzähle, dass es sich hier um einen Kaffee handelt, bei dessen Herstellung die Kleinbauern in den Ländern des Südens nicht ausgebeutet werden und einen gerechten Mindestpreis für ihre Arbeit erhalten, der von den Weltmarktschwankungen unabhängig ist, dass die Finanzierung durch die Lizenzeinnahmen, die die Abnehmer bei uns für die Nutzung des Fairtrade-Gütesiegels bezahlen, sichergestellt ist, dass immer mehr Unternehmen so eine Lizenz erwerben. Er hört aufmerksam zu und erklärt, dass er ein Unternehmen führe und sich überlege, in seinem Betrieb auf fairen Kaffee umzustellen. Wo er denn Informationen dazu finde? Ich überreiche auch ihm Informationsblätter und weise ihn darauf hin, dass es auch auf der Website von Fairtrade Österreich, auf www.fairtrade.at, nähere Informationen zu Fairtrade sowohl für Unternehmen als auch für Konsumenten und Konsumentinnen gibt, und Auskünfte über Fairtrade in Österreich und über die Produzenten in den Ländern des Südens.

Lautes Stimmengewirr - eine Mutter mit zwei Kindern steht vor mir. "Kann ich Ihnen eine Tasse Fairtrade Bio-Kaffee anbieten?" Sie lächelt. "Ja, gerne. Was bedeutet denn Fairtrade eigentlich genau?" Während sie den Kaffee verkostet und die Kinder die Schokoladen probieren, erzähle ich von den Produktions- und Sozialstandards, von der nachhaltigen Herstellung der Produkte, die nicht nur der Umwelt, sondern auch den Produzenten dort und den Konsumenten bei uns zugute kommt. So ist zum Beispiel der Einsatz von gesundheitsschädlichen Düngemitteln verboten. Ein weiterer Sozialstandard ist, erzähle ich - durch ihr offensichtliches Interesse richtig in Fahrt gekommen - , dass die Kinder die Schule besuchen anstatt am Feld zu arbeiten, dass die Einhaltung der Standards durch eine unabhängige Überprüfungsorganisation genau kontrolliert wird, die die Waren auch auf ihre Gesundheitsverträglichkeit untersucht, egal, ob es sich um Fairtrade Kaffee, um Schokolade, Früchte, Gummibärchen, Fruchtsäfte oder Baumwolle handelt. Diese Vielfalt an Produkten sei übrigens in jedem größeren Supermarkt, in den Drogeriemärkten sowie in den Weltläden zu finden, erzähle ich der Mutter weiter. Ich überreiche ihr Informationsblätter, sie bedankt sich erfreut und geht mit ihren Kindern weiter.

Auf der Kaffeemaschine blinkt das Nachfüllzeichen. Ich fasse ins Regal, hole frische Kaffeebohnen hervor. Als ich mich wieder aufrichte, steht ein Mädchen von etwa elf Jahren grinsend vor mir. Ich biete an, die Schokoladen auszuprobieren, und frage, ob es denn wisse, was Fairtrade bedeutet. Sofort schießt es los: " Ja klar weiß ich das! Das bedeutet, dass die Menschen in den Ländern des Südens einen gerechten Preis für ihre Arbeit bekommen. Die Kinder können dann in die Schule gehen. Ich weiß auch, wie ich erkenne, ob eine Ananas wirklich reif ist: Ich ziehe an den inneren Blättern der Ananas und wenn sie leicht abgehen, dann ist sie reif. Und wenn sie an der Unterseite fruchtig riechen. Bei den fairen Ananas wird nämlich keine Chemie benützt, damit sie gelb und reif aussehen. Das haben wir in der Schule gelernt."

Sehr gut, sage ich verblüfft und lächle dem Mädchen zu. Dann sind wir ja am richtigen Weg, sage ich zu mir. Ich werfe einen Blick nach rechts und sehe ihren Vater auf uns zukommen. Und schon bereite ich eine neue Tasse Kaffee zu.

Die Autorin studierte Internationale Entwicklung an der Universität Wien und schrieb ihre Diplomarbeit zum Thema „Fairer Handel in Österreich“.

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