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Nicht leistbarer Nachwuchs

In China ist es verheirateten Paaren künftig erlaubt, ein zweites Kind zu haben – ein Grund zur Freude?

Wider Erwarten sind viele ChinesInnen gar nicht so begeistert von der Ankündigung der Kommunistischen Partei vom 29. Oktober, die Ein-Kind Politik aufzuheben. Im Gegenteil: Viele ließen in den sozialen Netzwerken ihrer Frustration freien Lauf.

Das durchschnittliche monatliche Einkommen eines Hochschulabsolventen in Großstädten wie Peking beträgt gerade mal 3.000 Yuan (ca. 438 €), der durchschnittliche Grundstückspreis pro Quadratmeter das Zehnfache. Ein Kind aufzuziehen bedeutet außerdem hohe Kindergartengebühren und das zunehmende Risiko für junge Mütter, ihren Job zu verlieren.

Durch die Änderung in der Familienplanungspolitik sollen das Geschlechterverhältnis wieder ausgeglichen und die Probleme einer überalterten Bevölkerung in Angriff genommen werden.

Anfang des Jahres 2014 hat China ein zweites Kind erlaubt, falls ein Elternteil selbst Einzelkind war. Bis Ende Mai hatten sich lediglich 1,45 Millionen von elf Millionen berechtigten Paare angemeldet. In einer Online-Umfrage gaben 60 Prozent an, dass sie auch nach der Bekanntmachung der neuen Richtlinie kein zweites Kind haben möchten. 72 Prozent der Befragten führten als Haupthindernis den massiven wirtschaftlichen Druck an.

Im Kommentarteil des Microblogging-Dienstes Weibo zählten die folgenden Kommentare zur Zwei-Kind Politik zu jenen mit den meisten „Likes“:

„Die Familienplanungspolitik ist nicht der Grund, der die Leute vom Kindersegen fernhält. Die Reichen können nach Hongkong gehen, um Kinder zu gebären. Die Hauptursache des Widerwillens ist, dass man sich mehrere Kinder schlicht nicht leisten kann.“ „Warum sollten die Leute noch ein Kind bekommen, wenn sie sich nicht mal eines leisten können? Bekommt ihr [Machthaber] Angst, dass es nicht mehr genügend Sklaven geben könnte, um euch zu ­dienen?“

Jack Hu ist Redakteur beim Online-Portal „Global Voices“, wo dieser Text zuerst in einer längeren Version und auf Englisch erschienen ist. Ins Deutsche übersetzt hat Eva Gefflaut, gekürzt Christina Bell.

globalvoices.org

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