Notwendiger Tabubruch

Standpunkt 12/2004

Von NRin Petra Bayr
Namens der österreichischen Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung möchte ich darauf hinweisen, dass wir jede öffentliche Erwähnung und Bewusstmachung von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) begrüßen. Nur wenn Fakten angesprochen werden, gibt es Chance auf Veränderung, die in diesem Fall die sexuelle Selbstbestimmung der Frau bedeutet. FGM ist eine Menschenrechtsverletzung, die sich gegen Millionen von Frauen wendet. Diese Menschenrechtsverletzung aufzuzeigen und gegen sie vorzugehen, hat sich die Plattform zur Aufgabe gesetzt - ganz ohne voyeuristische Blicke, die degradieren und entmenschlichen. Die Beschreibung von weiblicher Genitalverstümmelung dient nicht dazu, den Gruselfaktor zu erhöhen, sondern Menschen (zumeist europäischen Menschen, die davon noch nie gehört haben) zu sagen, was FGM ist. Die Frage, wie wir mit Respekt vor anderen Kulturen Kritik an einer Menschenrechtsverletzung üben können, ohne Ressentiments zu schüren, hat einen großen Teil unserer Diskussionen bestimmt. Ohne das Problem zu benennen, ohne es in seinen drastischen psychischen und physischen Konsequenzen für die betroffenen Frauen zu beschreiben, ist unserer Meinung nach eine Diskussion darüber nicht möglich.
Am 6. Februar 2003 wurde bei einer Konferenz des Inter African Committee der „International Day of Zero Tolerance to FGM“ ausgerufen. Die Deklaration ist ein Ergebnis des Tabubruchs, des Öffentlichmachens des Unfassbaren, die Frucht der aufopfernden Arbeit vieler afrikanischen Frauen- und Menschenrechts-Organisationen. Der 6. Februar ist ein Gedenktag, an dem es gilt, Vereinbarungen im Kampf gegen FGM zu erneuern, an dem wir unsere Aufmerksamkeit auf das Problem fokussieren und uns selbst an die Konsequenzen erinnern, an dem alle im Kampf Beteiligten ihre Erfolge und Probleme überdenken, an dem neue Schritte geplant werden, an dem wir alle MeinungsbildnerInnen, politisch Verantwortliche und Involvierte daran erinnern, noch mehr dazu beizutragen, dieses grausame Ritual für immer auszulöschen und damit Frauen Freiheit, Selbstbestimmung und Würde zurückzugeben.
Als Österreichische Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung versuchen wir, nicht nur diesen 6. Februar zum Anlass zu nehmen, um FGM auch in die österreichische öffentliche Diskussion zu bringen, und empfinden alle Beiträge wie auch den der katholischen Männerbewegung als durchaus förderlich.

NRin Petra Bayr
Für die österreichische Plattform gegen weibliche
Genitalverstümmelung
www.stopfgm.net

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