Nutzen und schützen

Im Lomaiviti Dreieck direkt im Zentrum des Fidschi-Archipels liegt die Insel Gau. Sie ist mit 190 Quadratkilometern die fünftgrößte Insel des Archipels. Ihre BewohnerInnen wissen, dass sie die Mangroven auf ihrer Insel nur nutzen können, wenn sie sie schützen.

Von Georg Scattolin
Wo Schutz zu spät kommt, bleibt nur die mühsame und langwierige Neupflanzung.

Im Sommer 2010 ist die Bevölkerung der Insel Gau an das WWF Südpazifikbüro herangetreten, um gemeinsam ein Projekt zu entwickeln. Mit meinen WWF-Kolleginnen Monifa Fiu und Unaisi Malani besuchte ich das Dorf Sawaieke an der Ostküste der Insel Gau. Im Gespräch mit dem Dorfältesten Ratu Inoke wurde rasch klar, dass er und seine Leute den Rückgang von Krabben und Fischen mit dem übermäßigen Schlägern von Mangroven in Verbindung bringen. Damit schwindet ihre Ernährungsbasis. Außerdem hat die Erosion der Küste bereits begonnen, da an einigen Orten die Wälder ganz zerstört wurden. Ratu Inoke wies auf das große Interesse der BewohnerInnen von Sawaieke hin, den ursprünglichen Zustand ihrer Mangrovenwälder wiederherzustellen. Sie haben erkannt, dass nur intakte Mangroven auch ihr Überleben sichern.

Gemeinsam haben wir folgenden Plan entwickelt. Zuerst wird der Zustand der Mangroven erhoben. Es werden Küstenabschnitte definiert, wo Wiederaufforstung sinnvoll und möglich ist. Damit soll die Vielfalt der Wälder wieder hergestellt und die Ablagerung von Sand auf den Korallenriffen eingedämmt werden.

Der erste Schritt waren Workshops in mehreren Dörfern. Vermittelt wurden praktische Kenntnisse von Pflanzung und deren laufender Kontrolle. Dann folgte eine Woche intensiver Feldarbeit. Gemeinsam mit zehn Personen aus Sawaieke, ausgerüstet mit Maßbändern und GPS-Geräten, legten wir zuerst Markierungen, so genannte Transekte, durch die Mangroven. Entlang dieser können nun der Zustand der Bäume und das Ausmaß der menschlichen Eingriffe dokumentiert werden. Das ist keine leichte Arbeit. Im Mangrovenwald kommt man nur schwer voran, da man im nassen Schlammboden tief einsinkt und durch das Stelzwurzelgewirr klettern muss. Auch Höhe und Durchmesser der Bäume werden aufgezeichnet. Um die Vitalität der noch bestehenden Mangroven zu testen, wurde der Blattfall genau geprüft. Im Zuge der laufenden Überwachung kann so die Zuwachsrate bei den Mangroven bestimmt werden.

Mit Hilfe des erarbeiteten Kontrollplanes dokumentieren nun die DorfbewohnerInnen selbst in regelmäßigen Abständen den Zustand und die Veränderungen der Mangroven. Das ist die Basis für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Bäume als Holzlieferanten.

An einem Küstenstreifen der Insel ist die Erosion besonders stark fortgeschritten. Der Wellenschlag hat dort bereits Kokospalmen entwurzelt. Dieser Ort wurde für eine erste Wiederaufforstung ausgewählt und mit Setzlingen bepflanzt. Der Erfolg dieser Aktion wird die Art weiterer Aktivitäten mit der Bevölkerung bestimmen. Das Projektkonzept von Gau soll in Zukunft auf andere Inseln des Lomaiviti Dreiecks ausgedehnt werden. Es trägt damit zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Mangrovenwäldern über die Grenzen der Insel Gau hinaus bei.

Georg Scattolin ist Meeresexperte des WWF Österreich.

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