Österreich: Schiefergas vom Tisch – oder doch nicht?

Von Robert Poth ·

2011 ließ der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV mit dem Versprechen aufhorchen, das Land ab 2020 für 30 Jahre mittels Förderung von heimischem Schiefergas von Gasimporten zu befreien. Ausreichende Vorkommen, so das Unternehmen, würden in tiefliegenden Formationen im Norden des Weinviertels nahe der tschechischen Grenze vermutet. Eine an sich attraktive Perspektive, auch wenn auf den potenziell erfolgsträchtigen Slogan „No more Gazprom“ verzichtet wurde. Zudem wurde ja auch schon hierzulande dutzende Male „gefract“, wie die Öffentlichkeit teils staunend zur Kenntnis nehmen musste.

Aber es wurde nichts mit dem Fracking. Die betroffenen Gemeinden Poysdorf und Herrnbaumgarten verweigerten der OMV die geplanten Explorationsbohrungen auf ihrem Grund, und der Protest verwandelte sich bald in eine Art landesweiten Aufschrei (siehe – stellvertretend – www.weinviertelstattgasviertel.at).

Die OMV warf das Handtuch – das Projekt sei derzeit unwirtschaftlich – und fühlte sich darin durch die folgende einschlägige Novelle zur Umweltverträglichkeitsprüfung bestätigt.

Immerhin: Laut oekom research, einer Rating-Agentur im nachhaltigen Anlagesegment, ist die OMV das einzige von der Agentur untersuchte Unternehmen, das auf Fracking verzichten will, so lange dabei noch umweltschädliche Chemikalien zum Einsatz kommen.

Zu einem Verbot der Schiefergasförderung, wie etwa von Greenpeace Österreich und den Grünen gefordert, kam es aber nicht. Ist diesbezüglich Sorge gerechtfertigt?

„Schiefergas in Europa wird kommen“, gab sich OMV-Chef Gerhard Roiss im Dezember 2013 jedenfalls überzeugt (gegenüber dem Magazin Format) – vor allem, weil der EU ein empfindlicher Rückgang des Weltmarktanteils bei energieintensiven Industrien drohe. Diese Aussicht hätte „viele in Brüssel wachgerüttelt“. In England werde nach Schiefergas gesucht, Polen und Rumänien wollten das tun. Nachsatz: „Auch Österreich hat große Reserven an Schiefergas.“ Ob Fracking in Österreich wirklich „vom Tisch“ ist, bleibt daher offen.

Und schließlich wäre es nicht Österreich, wenn es hier nicht etwas nach dem Sankt-Florians-Prinzip riechen würde. Zwar wird vor Ort nicht „gefract“, dafür verdienen heimische Unternehmen Millionen mit dem Fracking anderswo, wie  Format im April 2013 berichtete: der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann mit Hochpräzisionsmotoren, die Voestalpine mit nahtlosen Förderrohren aus Spezialstahl und CAToil mit ganzen Bohrflotten für die großen russischen Ölkonzerne in Westsibirien. Tu felix Austria …

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