„Ohne Wirtschaftswachstum geht gar nichts.“

Zwischen 1900 und 2008 hat sich die Weltbevölkerung vervierfacht, und die Wirtschaft hat mehr als nur gleichgezogen – die Wirtschaftsleistung pro Kopf versechsfachte sich. Das Weltwirtschaftsprodukt ist sogar auf mehr als das 25-Fache angewachsen. 1 Beeindruckend. Aber haben alle von diesem Wachstum profitiert? Abgesehen von einigen grundlegenden Erfolgen, etwa im Hinblick auf die Alphabetisierung und die Müttersterblichkeit, zeigt sich das gewohnte Bild: Steigender Wohlstand für eine kleine Minderheit, Stagnation oder Schlimmeres für die große Mehrheit.

Wir haben nun ein Jahrhundert dieses Wachstums hinter uns, und noch immer haben 925 Millionen Menschen nicht genug zu essen, und mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung leben mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag – obwohl mehr als genug Reichtum geschaffen wurde, um derartige Übel abzuschaffen. 2 Nichts davon hält die etablierte ökonomische Zunft davon ab, weiter das Mantra vom Wachstum herunterzubeten. Anne Krueger, die sowohl für die Weltbank als auch für den IWF gearbeitet hat, proklamiert Folgendes: „Eine Verringerung der Armut erreicht man am besten, wenn man den Kuchen größer macht, nicht durch Versuche, ihn anders aufzuteilen.“ 1 Kein Wunder, dass das Wirtschaftswachstum nichts an der Ungleichheit geändert hat.

Gefährliche ökologische Schulden. Gleichzeitig aber sind wir dabei, gefährliche ökologische Schulden anzuhäufen, warnt das Global Footprint Network, ein Think Tank, der mit dem Ökologischen Fußabdruck, einer Art Buchhaltungssystem für natürliche Ressourcen, arbeitet. Unser aktueller Ressourcenverbrauch und unsere Abfallproduktion sind so hoch, dass wir dafür eineinhalb Planeten bräuchten (siehe Grafik). Der Preis für diese Übernutzung sind Umweltkrisen (von den Wäldern über die Fischgründe und Süßwasservorräte bis zum Klima), und auch hier sind es die Armen, die einen unverhältnismäßig hohen Anteil der damit verbundenen Kosten tragen. 3

Es wird aber auch immer schwieriger, die benötigten Ressourcen zu gewinnen – damit wird es auch immer schwieriger, die Fiktion eines unbegrenzten Wachstums aufrechtzuerhalten, auf der traditionelles ökonomisches Denken beruht. Es gibt die Vision einer stationären Wirtschaft, die den Bedarf ohne ökologischen Kollaps decken und Vorteile mit sich bringen würde, von denen Menschen, die einer Konsumkultur verhaftet sind, keine Vorstellung haben. Der Fokus würde auf mehr Gleichheit, auf Umverteilung und Lebensqualität liegen, ein Teilen von Arbeitsplätzen und sinnvoller Arbeit, auf dem Wert von freier Zeit und menschlichem Engagement, auf sicherem Wohnraum anstatt Schlössern und Mietskasernen. Auf einem Gleichgewicht, mit anderen Worten – es wäre eine Ökonomie der Genügsamkeit, ohne Verschwendung von Ressourcen und mit bestmöglichem Recycling.

Dinyar Godrej

Copyright New Internationalist

1)    Rob Dietz und Dan O’Neill, Enough is Enough, Earthscan, 2013.

2)    Zahlen der Vereinten Nationen für 2010, un.org/en/globalissues/briefingpapers/food/vitalstats.shtml

3)    Global Footprint Network, footprintnetwork.org/en/index.php/GFN/page/world_footprint

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