Oilwatch!

Ein Netzwerk von AktivistInnen im Süden kämpft gegen die Erdölabhängigkeit.

Von Luis Angel Saavedra
Für das Volk der U'wa im kolumbianischen Amazonasgebiet ist Erdöl das Blut der Erde. Wird es aus dem Boden geholt, so sagen sie, vertrocknet die Erde und wird böse: Dann werden die Menschen sterben. Als das US-Erdölunternehmen Occidental Petroleum begann, in ihrem Gebiet nach Erdöl zu suchen, war das für die U'wa ein Angriff auf ihr heiliges Land. Mehrere Male zwangen sie Occidental, die Bohrungen einzustellen. Und sie sind nicht allein. Vom Nigerdelta in Nigeria bis zum Delta des Orinoko in Venezuela versuchen Menschen, Alternativen zur Erdölindustrie zu finden.

Ein Ergebnis war die Gründung von Oilwatch. Im Februar 1996 trafen einander in Ecuador 15 Organisationen aus Nigeria, Südafrika, Kamerun, Gabun, Thailand, Sri Lanka, Osttimor, Mexiko, Guatemala, Peru, Kolumbien und Brasilien mit dem Ziel, die jeweils betroffenen Völker miteinander in Kontakt zu bringen und zu unterstützen.

"Indigene Völker kämpften hier für Schadenersatz oder für die Einstellung der Bohrungen in ihrem Gebiet. Darauf wurden andere Gruppen in anderen Ländern aufmerksam, zuerst aus Peru und Nigeria. Bald kam es zu einer strategischen Zusammenarbeit", sagt Esperanza Martínez vom Oilwatch-Hauptsitz in Quito. Oilwatch will eine weitere Expansion der Erdölförderung stoppen und die Ölkonzerne zwingen, auf die Erhaltung des Planeten Rücksicht zu nehmen.

Zum Netzwerk gehören heute Mitglieder aus mehr als 50 Ländern, darunter etwa die Vereinigung der Wayoo-Frauen in Venezuela und die Organisation indigener Nationen (ONIC) in Kolumbien. Ebenso dabei sind Umweltorganisationen wie das Nationale Bündnis für die Natur in der Republik Kongo, kirchliche Organisationen wie der Ökumenische Friedensdienst in Kamerun oder Menschenrechtsgruppen wie die Environmental Rights Action aus Nigeria. Zu den Mitgliedern aus dem Norden gehören Greenpeace und die US-Initiative Corporate Watch.

Hinter der Herzlichkeit von Martínez verbirgt sich eiserne Entschlossenheit. "Wir wollen nicht bloß ein besseres Erdölgeschäft", betont sie: "Wir wollen überhaupt keines".

Die Gruppe hat vier zentrale Problembereiche identifiziert: Zerstörung von Ökosystemen und die biologische Vielfalt; Menschenrechte und die Aushöhlung der Demokratie; die Ungerechtigkeit des internationalen Finanzsystems; und die Zusammenhänge zwischen weltweitem Klimawandel und fossilen Brennstoffen. Durch den Aufbau von Solidaritätsnetzwerken zwischen Betroffenen im Süden ermutigt Oilwatch bedrohte Gemeinschaften, die Versprechungen der Unternehmen in Frage zu stellen.

Die Gruppe gibt eine Reihe elektronischer Bulletins, Materialien für Kampagnen sowie Berichte über die Tätigkeit von Erdölunternehmen heraus, die auch in Sprachen indigener Völker erscheinen. Keine Information wirkt aber so nachhaltig wie der unmittelbare Kontakt, wenn etwa Angehörige einer Gemeinschaft eine andere besuchen, sich gegenseitig ihre Erfahrungen mitteilen und ihre Widerstandsstrategien besprechen. Martínez erwähnt etwa Lorenzo Muelas, einen kolumbianischen Ureinwohner, der ins Nigerdelta reiste, um sich selbst ein Bild von der Zerstörung zu machen, die durch Shell und andere Unternehmen angerichtet wurde. "Als er zurückkam, beschrieb er den Menschen in seinem Dorf die Katastrophe, die ihnen droht, wenn sie Erdölbohrungen in ihrem Gebiet zulassen. Diese isolierten Gemeinschaften, in deren Gebiet die Exploration gerade beginnt, müssen wissen, was in Nigeria oder am Orinoko oder anderswo passiert ist", sagt Martínez.

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