Patente und Werte

Von Irmgard Kirchner · · 2002/12

Vor weniger als 25 Jahren wurde das erste Lebewesen (ein Bakterium) patentiert. Seither hat ein regelrechter Wettlauf um Patente auf Leben eingesetzt, angetrieben durch die rasanten Fortschritte der boomenden Bio-Wissenschaften.
Biotechnologien und Patente auf Leben produzieren Horrorvisionen von der Enteignung des eigenen Körpers, von von Menschenhand maßgeschneiderten Menschen.
Auf den folgenden Seiten, die wir von unserer Partner-Zeitschrift New Internationalist übernommen haben, lesen Sie über eine der größten ethischen Herausforderungen der Menschheit. Über die es jedoch kaum eine öffentliche Diskussion gibt. Es geht um so vitale Bereiche wie Medizin und Landwirtschaft und darum, zwei wichtige Interessen zu vereinen: kommerzielle Anreize zur wissenschaftlichen Forschung zu geben und andererseits nützliche Ergebnisse möglichst schnell und kostengünstig der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Seit 1995 sind handelsbezogene geistige Eigentumsrechte im TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation WTO international verbindlich geregelt. Bei der Formulierung des TRIPS-Abkommens haben sich die großen Biotechnologie-Konzerne mit ihren Interessen durchgesetzt.
Bei Akteuren der Wirtschaft sind Fragen der Werte nicht gut aufgehoben.
Patente auf Leben verändern das Verhältnis des Menschen zur Natur. Dieses unerschöpfliche Reservoir an Kreativität wird zum Gegenstand wissenschaftlicher Kontrollsucht und vollständig dem Profitdenken unterworfen. Wie viel Respekt bleibt da noch fürs Leben?
Patente auf Leben verändern auch das Verhältnis der Menschen untereinander. Sie sind ein wichtiges Thema im Nord-Süd-Konflikt. Der größte Schatz an genetischen Ressourcen der Erde wird von Kulturen und indigenen Völkern bewahrt, denen der Gedanke an eine Patentierbarkeit von Leben fremd ist, die kaum Zugang zu den entsprechenden Rechtssystemen haben und sich die teuren Verfahren der Patentierungen nicht leisten können.
Patente auf Leben sind ein Thema, das auf jeden Fall öffentlich zu diskutieren ist. Das rasant wachsende Wissen der Menschheit muß geteilt werden. Wissens-Transfer und Wissens-Management sind derzeit sehr moderne Schlagwörter. Von einem gangbaren Weg zu mehr Wissens-Gerechtigkeit sind wir jedoch noch Lichtjahre entfernt.

Basic

Berichte aus aller Welt: Lesen Sie das Südwind-Magazin in Print oder Online!

  • 6 Ausgaben pro Jahr
  • 48 Seiten pro Ausgabe
  • je Ausgabe ein 12-seitiger Themenschwerpunkt
  • 12x Extrablatt direkt in Ihr E-Mail-Postfach
  • Buch & Filmempfehlungen aus der Redaktion
ab € 25 /Jahr
Abo Abschließen
Förder

Mit einem Förder-Abo finanzieren Sie den ermäßigten Abo-Tarif und ermöglichen so den Zugang zum Südwind-Magazin für mehr Menschen.

Jedes Förder-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
84 /Jahr
Abo Abschließen
Soli

Mit einem Solidaritäts-Abo unterstützen Sie unabhängigen Qualitätsjournalismus!

Jedes Soli-Abo ist automatisch ein Kombi-Abo:

  • Alle Ausgaben in Print und als E-Paper
  • Online Zugang zur Webplattform inkl. vollständigem Archiv
168 /Jahr
Abo Abschließen