Persepolis: Eine Kindheit im Iran – Jugendjahre

Marjane Satrapi

Von Werner Hörtner
Beide übersetzt von Stefan Pörtner, erschienen im Verlag Ueberreuter, Wien 2007, je 160 Seiten, € 9,95

Marjane Satrapi ist mit diesen beiden Comic-Bänden über ihre autobiografische Geschichte – zu Recht – zu einem gefeierten und mehrfach preisgekrönten Star geworden. Der erste Band erreichte in Frankreich schon bald nach Erscheinen eine Auflage von 200.000 Exemplaren; mittlerweile sind beide Bücher in zahlreichen Übersetzungen erschienen.
Die Karriere der jungen Iranerin begann eigentlich durch einen Zufall. Sie kam nach Paris, um dort Kinderbuch-Illustratorin zu werden. Dabei teilte sie ihr Atelier mit einigen Leuten aus dem Umfeld des Verlags L’Association, der sich darauf spezialisiert hatte, Autorinnen und Autoren ihre Lebensgeschichte selbst zeichnen zu lassen. Der Verlag gewann Satrapi als Comic-Autobiografin, worin diese gerne einwilligte, denn gleich nach der Ankunft in Frankreich waren ihr die Vorurteile gegenüber ihrer Heimat aufgefallen. „Ich musste pausenlos gegen die hauptsächlich durch die Medien verbreiteten Klischees und Vereinfachungen anreden und das hiesige Bild des Iran korrigieren. Eines Tages hatte ich dann das Bedürfnis, die letzten zwanzig Jahre, die den Iran – und auch das Leben seiner Bevölkerung – so gänzlich umgekrempelt haben, festzuhalten.“
Vordergründig erzählt Satrapi in den Zeichnungen und Texten ihre Geschichte aus der Sicht eines kleinen und später heranwachsenden Mädchens, doch bildet diese Sicht gleichzeitig den Rahmen für eine Reflexion des zeitgeschichtlichen Geschehens. „Ich erzähle die große Geschichte anhand der kleinen Geschichte“, resümiert die Künstlerin.
Das erste Buch beginnt mit der Zeichnung eines Kopftuch tragenden Mädchens mit trauriger Miene: „Das bin ich mit zehn Jahren. Das war 1980.“ In der Folge schildert sie dann mit zeichnerischer Meisterschaft und in prägnanten zutreffenden Sätzen die nächsten vier Jahre, die sie noch in ihrer Heimat verbringen sollte – gesehen aus der Perspektive eines aufgeweckten, manchmal auch altklugen, Sprosses einer gebildeten linken Mittelstandsfamilie. Um sie vor der zunehmenden Repression im Iran durch alle möglichen Sitten- und Revolutionswächter zu beschützen, schicken ihre Eltern das Mädchen 1984 – nach Wien! Damit beginnt der zweite Persepolis-Band, die „Jugendjahre“. Dieser Band sollte überhaupt zur Pflichtlektüre an österreichischen Schulen erhoben werden, wirft doch die pubertierende Rebellin ihren kritischen Blick jetzt nicht mehr nur auf die iranische Gesellschaft, sondern genauso auf die offenen und verborgenen Bösartigkeiten – und auch Schönheiten – ihrer Wahlheimat, geschildert mit viel Einfühlungsvermögen und mit viel Humor, wobei auch die Selbstironie nicht zu kurz kommt.
Wie wir im vergangenen Juli im SWM (S.45) kurz berichteten, hat die französische Verfilmung der beiden Persepolis-Romane beim heurigen Filmfestival von Cannes den Jury-Preis gewonnen. Ende November läuft der Film auch in Österreich an (siehe Termine).
Gerade rechtzeitig zum Filmstart hat der Ueberreuter-Verlag die beiden – schon früher erschienenen – Comic-Bände in einer sehr preiswerten Edition neu herausgebracht.

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