Peter Overbeck: Gott ist Brasilianer

Von Veronika Mayr ·

Erlebnisse eines Kameramanns

Edition Nautilus, Verlag Lutz Schulenburg, Hamburg 2005. 222 Seiten, EUR19,90

Die in Brasilien oft verwendete Aussage „Gott ist Brasilianer“ hatte ich immer so gedeutet, dass sich das stolze Volk der BrasilianerInnen sogar Gott als „Landsmann“ auf ihre Ordem e Progreso-Fahne heftet. Der Autor Peter Overbeck meint hingegen, dass die Aussage ironisch gemeint sei, um sich über das eigene Schicksal und das Leben lustig zu machen – alles aber in dem Glauben, dass schlussendlich doch noch alles gut ausgeht.
„Gott ist Brasilianer“ handelt von Lebensbedingungen des brasilianischen Volkes, den Bemühungen und Kämpfen um Veränderung und den erreichten (Teil-)Erfolgen. Peter Overbeck ist Deutscher, aber schon als junger Mann mit seinen Eltern und seiner Ehefrau nach Brasilien ausgewandert. Politisch war er in linksintellektuellen Kreisen daheim, immer auf der Seite der (häufig illegalen) Opposition aktiv, und setzte sich für die Interessen der Marginalisierten ein.
Dass er Dokumentarfilmer ist, wird in seinem Buch offensichtlich. Angelehnt an vier seiner Filme porträtiert er Menschen, die Zuckerrohr schneiden, sich gewerkschaftlich organisieren oder Müll sammeln, er stellt die Landlosenbewegung MST und ein gemeinschaftlich organisiertes Babacu-Nuss-Projekt vor.
Auch wenn Peter Overbeck schreibt, dass er nicht Vor- und Nachteile des Neoliberalismus diskutieren und Stellung zu sozialistischen Staatsformen nehmen will, so äußert er dennoch ganz klar seine Meinung und zeigt die Ungleichheiten und deren Auswirkungen auf die brasilianische Bevölkerung auf. Gleiches hat er mit seinen Filmen gemacht, von denen einige Auszeichnungen bekommen haben. Der Film über die Landlosenbewegung wird sogar von der MST selbst für Bildungszwecke eingesetzt, andere sind nach wie vor innerhalb der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit wichtig.
Peter Overbeck lebt heute 80-jährig mit seiner zweiten Frau, die seine Arbeiten seit 1972 mitgetragen und -gelebt hat, in einem Kibbuz in Israel.

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