Pilz frisst Koka

In Südkolumbien soll ein Pilz getestet werden, der die Kokasträucher zur Gänze zerstört. Umwelt-Experten warnen jedoch vor seinem Einsatz, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass er auch andere Pflanzen angreifen wird.

Von Benjamin Kuscher
Bereits in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren verursachte eine wilde Art des "Fusarium oxysporum fungus" im peruanischen Huallagatal ein Massensterben unter den Kokapflanzen dieser Region. Seit damals konzentriert sich das USDA (US Department of Agriculture) auf die Erforschung dieser Pilzart. Genau genommen wurde der so genannte "EN-4 Stamm" des Pilzes untersucht. Dieser wurde in den Labors des USDA isoliert, getestet und weiterentwickelt. Der Pilz soll jetzt erstmals in Kolumbien zum Einsatz kommen.

Die Ergebnisse sind für die Drogenbekämpfung viel versprechend: Die Sporen des Fusarium oxysporum fungus können über mehrere Jahre ohne Wirt in der Erde verweilen. Dadurch wird ein Wiederanbau von Kokapflanzen unmöglich, denn die Pilzsporen würden sofort die neue Pflanze zerstören. Auch kann sich diese Pilzart selbständig ausbreiten und so den Kokabauern folgen, die sich immer tiefer in den Amazonas zurückziehen.

Die kolumbianische Regierung und das Drogenkontrollprogramm der UNO (UNDCP) planen jetzt eine gemeinsamen Bekämpfung des Kokaanbaus in Südkolumbien. Zu Beginn wird der Pilz in einer Versuchsregion getestet, um seine Effektivität im Kampf gegen die Kokapflanze und die Umweltrisiken abschätzen zu können.

In einem UNO-Bericht aus dem Jahre 1989 wurde erstmals auf die Effizienz von Bio-Agenten bei der Bekämpfung von Kokapflanzen hingewiesen. Nun hofft man mit Fusarium oxysporum fungus die Lösung für eine effektive Drogenbekämpfung gefunden zu haben.

Der Bio-Agent hat nur einen Haken: Über die möglichen Gefahren von seiner Freisetzung in einem empfindlichen Ökosystem wie dem Amazonas ist noch gar nichts bekannt. Verschiedene Mutationen des Pilzes könnten eine lange Reihe anderer Pflanzen angreifen. So berichtet im April 1999 David Struhs (Department of Environmental Protection of Florida), dass sich der Pilz äußerst schnell verändert und es sehr schwierig ist, die Mutationen der Pilzarten zu kontrollieren.

Der mutierte Pilz könnte Schäden bei einem großen Teil der Getreidesorten, bei Wein, Tomaten, Pfeffer und vielen Blumenarten auslösen. Die lange Überlebensdauer des Pilzes in warmen Gefilden wie Florida oder Kolumbien lässt die Gefahr der Mutationen noch weiter ansteigen.

Die Experten der USDA versuchen zwar die Bedenken zu zerstreuen, aber trotz aller Bemühungen ist eine Reihe von Fragen noch offen. Es ist weiterhin unklar, wie bei einem Freifeldversuch die Ausbreitung des Pilzes verhindert werden soll oder was mit den zahlreichen Giften geschieht, die der Pilz selber produziert. Umweltschützer warnen daher vor unkalkulierbaren Risiken, die die Tests in Kolumbien mit sich bringen würden.

Weiters würden die sensiblen Beziehungen zwischen den Staaten Bolivien, Peru und Kolumbien einer schweren Prüfung unterzogen. So ist der Kokaanbau in Kolumbien zwar vollständig verboten, aber in den beiden anderen südamerikanischen Staaten ist ein Großteil der Kokaplantagen aus traditionellen Gründen durchaus legal und oft die einzige Einkommensquelle der ländlichen Bevölkerung. Da der Pilz sicher nicht vor nationalen Grenzen halt machen wird, ist eine Aussetzung dieser Spezies auch eine Einmischung in interne Interessen Dritter.

Autorennotiz: Der Autor studierte in Wien Politikwissenschaft und Geschichte und leistet derzeit seinen Zivildienst beim Verein Südwind.

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