Pinochet. Eine Täterbiografie in Chile

Friedrich Paul Heller

Sachbuch. Schmetterling Verlag, Stuttgart 2012, 352 Seiten, EUR 25,50

General Augusto Pinochet war im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts der Inbegriff des blutrünstigen Diktators, der tausende GegnerInnen für immer „verschwinden“ und zehntausende foltern ließ. Mit Waffengewalt zwang er Chile als erstem Land der Welt einen hemmungslosen Neoliberalismus auf.

In seiner „Täterbiografie“ versucht Heller die entscheidenden Phasen nachzuzeichnen. Zur Person Pinochets fällt ihm eingestandenermaßen „nichts ein“. So kommt er nach wenigen Sätzen über die von Militärverherrlichung und wundergläubiger Religiosität geprägte Kindheit rasch ins Jahr 1973. Salvador Allende, Präsident einer von den Konservativen und den USA massiv bekämpften Linksregierung, setzte Pinochet im Irrglauben an dessen Loyalität noch im August 1973 als Chef des Heeres ein. Am 11. September unternahm er mit Marine und Luftwaffe den Putsch, bei dem Allende zu Tode kam, und eröffnete den Krieg gegen alles, was links war im chilenischen Volk.

Im besten Teil seines Buches beschreibt Heller, der sich selbst ab 1974 bei Amnesty international für gefangene und gefolterte ChilenInnen einsetzte, wie der Repressionsapparat des Regimes im Einzelnen funktionierte.

Weniger überzeugend fallen die Passagen aus, in denen es um die Frage geht, warum eine Militärdiktatur, die doch für einen starken Staat steht, ihre eigene Abdankung zugunsten des „Freien Markts“ betrieb. Wohl ist da von den bekannten „Chicago Boys“ die Rede, die das radikale Privatisierungsprogramm umsetzten. Neben Diskussionsklubs der Marine wird auch der Rechtsprofessor und Franco-Verehrer Jaime Guzman genannt, eine Schlüsselfigur, „der Ideologe hinter dem Thron“, der die Ausrottung des „diabolischen Kommunismus“ rechtfertigte, das Individuum vom Staat befreien wollte und durch ausgeklügelte Bestimmungen in der 1980 erlassenen Verfassung dafür sorgte, dass der „Pinochetismus“ in Chile über das Leben des Diktators hinaus wirksam blieb.

Konkurrenzlos ist das Buch Hellers dagegen mit einer skandalösen Subgeschichte: er zitiert aus den Depeschen der deutschen Botschaft in Chile, in denen „die Fortdauer der Militärherrschaft“ befürwortet wurde, weil sonst „Kommunisten versuchen würden (…) die Macht mit Gewalt an sich zu reißen“.
Erhard Stackl

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