Werner Leiss hört sich um

Pioniere zwischen Weltmusik und Rock

Vor 45 Jahren ist das erste Album von Osibisa erschienen.

Zusammengefunden hat sich die Gruppe in London. Sie selbst bezeichneten ihre musikalischen Kreationen durchaus treffend als „Criss-cross rhythms that explode with happiness“. Kreuz und quer und gut drauf tourte die Band in der Folge auch in der Weltgeschichte herum. Osibisa, das waren damals Teddy Osei, Sol Amarfio und Mac Tontoh aus Ghana, Spartacus R aus Grenada, Wendell Richardson aus Antigua, Richard Bailey aus Trinidad sowie Loughty Lasisi Amao aus Nigeria. Teddy Osei sammelte in Ghana bereits in den 1950ern Erfahrung in einer Band als Highlife-Musiker.

Nerv der Zeit. Osibisas selbst betiteltes erstes Album von 1971 offeriert eine bis dahin einzigartige Mischung aus afrikanischen und westlichen Stilen, die offensichtlich ganz genau den Nerv der damaligen Zeit getroffen hat. Das war ja aber auch die Intention der Musiker. Sie wollten Musik mit traditionellen westafrikanischen Elementen so bearbeiten, dass sie auch bei einem breiteren westlichen Publikum Anklang findet. Das ist ihnen zweifellos gelungen, katapultierte sich das Album doch sowohl in Europa als auch in den USA in die Charts. Erfolgreich waren sie in der Folge auch in Japan und Indien. Produziert wurde das Album von Tony Visconti, der insbesondere für seine lange Zusammenarbeit mit David Bowie bekannt ist. Gelungen ist hier eine perfekte Kombination traditioneller afrikanischer Musik mit Rock und Jazz. Ausgiebige Passagen mit Perkussion, eine treffsichere Orgel, der Einsatz von Saxophonen, Trompete und Flügelhorn, dazu ein paar deftige Gitarrenriffs. All das sind die aussagefähigen Ingredienzien, die die Leute zu Recht in Ekstase versetzten. Auf ihrem Debütalbum ist ihr erster Hit „Music For Gong Gong“ zu finden. Aber so und so existiert darauf kein einziger schwacher Moment. Gekrönt wird das Meisterwerk mit der mitreißenden Schlussnummer „Think About The People“. Selbst das Cover-Artwork mit dem fliegenden Elefanten ist berühmt. Es stammt von Roger Dean.

Jahrzehntelanger Erfolg. Teddy Osei hielt die Band über die Jahrzehnte in wechselnden Besetzungen immer wieder am Leben. Mittlerweile ist er auch bald 80. Die Musik bleibt allerdings zeitlos. So richtig erfolgreich war die Band bis in die Mitte der 1980er Jahre, erlebte jedoch in den 1990ern eine neue Blüte.

Daneben wurden junge MusikerInnen und KünstlerInnen in Ghana gefördert. Zu diesem Zwecke wurden dort ein Tonstudio und ein Theater eingerichtet sowie ein eigenes Label gegründet. Das Debütalbum und etliche weitere Werke von Osibisa sind in neu aufgelegten Versionen als CDs und 180 Gramm Vinyl-LPs beim englischen Label Repertoire www.repertoirerecords.com erschienen.

Werner Leiss ist Musikkritiker des Südwind-Magazins und Redakteur des „Concerto“, Österreichs Musikmagazin für Jazz, Blues und Worldmusic.

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