Plastic Planet. Die dunkle Seite der Kunststoffe

Von Redaktion ·

Gerhard Pretting, Werner Boote

Sachbuch. Orange-press, Freiburg 2010, 223 Seiten, EUR 20,-

Das Buch zum Film. Wir leben auf dem Plastic Planet. Plastik kam 1907 auf die Welt. Es ist billig, farbenfroh und vielseitig einsetzbar. Nachdem es langsam Fuß fasst, seinen erzählbaren Gipfel im Nylonstrumpfmangel während des Zweiten Weltkrieges erklimmt, wird es nach einigen intelligenten Propaganda-Schachzügen zum Mittel der Wahl für alles und jedes.

Der Bedarf soll steigen, und so müssen die Menschen erst mühsam vom schnellen, gedankenlosen Wegwerfen überzeugt werden. Aber die Umerziehung klappt. Der Plastikmüll wird zum Umweltproblem. Zur Herstellung wird Erdöl verwendet, die dabei entstehenden Dämpfe und Materialien sind natürlich giftig, das kümmert aber keinen, denn „Öfter mal was Neues“ und „Plastik macht Spaß“ werden zur Devise.

Der Slogan aus dem Jahr 1948 „Nichts kann Plastik stoppen“ bewahrheitet sich dann auch; der Kunststoff lässt sich in allen Weltmeeren und den sie bewohnenden Lebewesen wiederfinden. Bis ganz hinauf in der Nahrungsmittelkette, bis zum Menschen, der bei einer Blutabnahme den Plastikanteil in seinem Blut messen lassen kann. Und so machen sich manche Sorgen, dass wir zu hohlen, leeren plastic people werden könnten, mit oberflächlichen Wünschen und künstlich geweckten Begierden.

Gegeninitiativen wie „Fishing for Litter“ sind zwar nett, lassen jedoch die wichtige Frage offen: Wohin mit dem Müll? Weder Vergraben noch Verbrennen sind Lösungen, welche die Giftstoffe aufhalten könnten, sich in der Umwelt auszubreiten. So bleibt die einzige Antwort: weniger Müll produzieren. Keine Plastikflaschen, keine Plastiksackerl, keine einzeln verpackten Käsescheiben, kein in Plastik verpacktes Obst. Zugleich muss der Werbespruch „Wiederverwendung ist Fehlverwendung“ wieder umgekehrt werden. Er ist so dumm wie „geiz ist geil“.

Die Quintessenz ist folgende: Plastik ist nicht nur für die Umwelt schädlich, sondern auch für unseren Körper giftig. Die Trinkflasche aus Plastik versorgt uns also jederzeit mit Giftstoffen – Schluck für Schluck. Ein Sachbuch, so spannend wie ein Thriller.
Christine Kohlmayr

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