Positiver Schneeball-Effekt

Aus einer Nische hinein in Supermarktregale. Immer mehr KonsumentInnen entscheiden sich für fair gehandelte Lebensmittel.

Von lym
Fairtrade Österreich feiert sein zehnjähriges Bestehen und kann zufrieden Zwischenbilanz ziehen: In dieser Zeit wurden insgesamt 377.000 Einkaufstüten oder 68.700 randvoll gefüllte Einkaufswagerln verkauft. Was 1993 als von vielen guten Wünschen begleitetes Experiment begann, ist heute fester Bestandteil im Sortiment vieler Supermärkte und Einzelhandelgeschäfte. Über 2.700 österreichische Geschäfte führen Produkte mit dem Fairtrade-Gütezeichen, von fair gehandeltem Kaffee, Tee, Orangensaft, Kakao bis hin zu Schokolade, Bio-Bananen, Bio-Zucker und Honig. „Die langjährige Kooperation mit den Weltläden, Bio-Fachmärkten und Supermarktketten hat zum großen Fairtrade-Erfolg erheblich beigetragen“, erzählt Leon Lenhart, Geschäftsführer von Fairtrade.
Der Gedanke vom fairen Handel bedeutet nicht Almosenvergabe. Was das Konzept so erfolgreich mache, sei der „Ansatz, den anderen zu respektieren“, sagt Helmut Adam von der Südwind Agentur, ehemaliger Transfair-Geschäftsführer. Anfang 2003 wurde „Transfair“ in „Fairtrade“ umbenannt.

Weltweit gibt es 17 Fairtrade-Initiativen. Dass sich diese Einzelteile zu einem erfolgreichen Ganzen zusammengeschlossen haben, um weltweit mit vereinten Kräften auftreten zu können, geht sehr stark auf die Vermittlerrolle Adams zurück. Er hat sich intensiv an der Gründung des Dachverbandes FLO (Fair Trade Labeling Organisations International) beteiligt.
Auf welche Begebenheit während seiner Zeit bei Transfair er noch gerne zurückblickt? „Anfang des Jahres 1995 marschierte einmal eine junge Frau in mein Büro und äußerte den bestimmten Wunsch, bei Transfair mitzuarbeiten“, erinnert sich Adam an eine ehemalige Transfair-Mitarbeiterin, Alexandra Vrolijk. Vorher lebte die aus den Niederlanden stammende Mitt-Zwanzigerin in der Dominikanischen Republik, verliebte sich dort in einen Lauda-Air-Piloten und beschloss, nach Österreich zu ziehen, doch nur wenn sie dann auch bei Transfair arbeiten könne. Ihr Vorhaben trug Alexandra Vrolijk überzeugend vor, so dass sie bald damit beauftragt wurde, mit einem Bus quer durch Österreich zu tingeln und für fair gehandelte Produkte erfolgreich zu werben.
Rückblickend könne gesagt werden, dass die größte Barriere jene war, fair gehandelte Produkte überhaupt in den Handel zu bringen.
Leon Lenhart prognostiziert eine positive Zukunft: „Es ist uns gelungen, ein System der Hoffnung in Österreich zu etablieren. Der faire Handel ist eine gute Kombination zwischen Ethik und Wirtschaft.“ Und: Man stehe erst am Anfang einer großen Entwicklung.

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