Pyrrhussieg DAPL?

GegnerInnen der Dakota Access Pipeline mussten im Februar ihre Protestcamps verlassen. Doch der Geist der Bewegung lebt weiter.

Es geht wieder einmal ums Öl: Die mittlerweile weitgehend fertiggestellte Dakota Access Pipeline (DAPL) fördert über eine Strecke von fast 2.000 Kilometern Rohöl, von North Dakota nahe der kanadischen Grenze bis zu Raffinerien weiter südöstlich in Illinois. Die Pipeline verläuft nur wenige Kilometer an der Standing Rock-Reservation vorbei. Sie bedroht laut den Standing Rock Sioux nicht nur heilige Stätten bzw. Grabstätten, sondern vor allem das Trinkwasser aus dem Lake Oahe Reservoir des Missouri River. Der Bauabschnitt wurde 2015 genehmigt, obwohl Umweltbehörden darauf hinwiesen, dass keine ausreichende Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wurde.

Legte Barack Obama das Projekt noch auf Eis, belebte der neue US-Präsident Donald Trump DAPL rasch nach seiner Amtseinführung mittels Dekret wieder. Trotz Etappensiegen der GegnerInnen wurde die Pipeline weitergebaut, im Februar mussten die Protestierenden ihre Camps räumen.

Historischer Protest. Protestierten anfangs Indigene und mit ihnen solidarische Menschen, wuchs der Kampf gegen DAPL über die Zeit zu einer gewaltigen und globalen Bewegung. Der Widerstand wurde zum Symbol des Widerstandes gegen die Diskriminierung der UreinwohnerInnen Amerikas. Und ab 2017 auch gegen Trump.

„Noch nie ist es gelungen, so viele Menschen, aus so vielen Bereichen gemeinsam hinter einer indigenen Sache zu versammeln und so breite Allianzen über alle ideologischen und räumlichen Grenzen hinweg zu schmieden“, betont Monika Seiller von der Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte in der Herbstausgabe des Magazins Coyote, das in Deutschland erscheint. „Tausende investierten Zeit, Geld und Leidenschaft.“

Kühle Köpfe. Ein besonderes Merkmal der Protestbewegung war zudem der Fokus auf gewaltfreien Widerstand: Unter den Aktivistinnen und Aktivisten wurde kommuniziert, dass alle Aktionen stets gewaltfrei bleiben müssen. Auf dem Protestgelände waren Alkohol und Drogen verboten, damit die Menschen mit möglichst klarem Verstand bei der Sache sind. Nach dem Verlassen der Protestcamps verlagerte sich der Widerstand auf andere Schauplätze (etwa die nicht weniger umstrittene Keystone XL-Pipeline) und andere Ebenen: Auf der einen Seite wird die DAPL juristisch bekämpft. Zudem setzt das „No DAPL“-Lager auf Divest, also den Versuch, Geldgeber zu überzeugen, nicht mehr zu investieren.

Im April meldeten Medien das erste Öl-Leck in der Pipeline. Und dass, obwohl DAPL da noch gar nicht voll in Betrieb war.   sol

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