Quallenschmaus

Von Irmgard Kirchner
Es ist beunruhigend und auch – zumindest für unseren Gaumen – unappetitlich.
Dank der menschlichen Einwirkungen findet in den Weltmeeren eine Art ungekehrte Evolution statt: Säugetiere und große Fischarten werden systematisch ausgerottet. Bakterien und Quallen hingegen finden ideale Lebensbedingungen vor. Wenn es so weiter geht, könnte unser Heringschmaus in Zukunft aus Quallen (in Asien bereits jetzt als Delikatesse anerkannt) bestehen. Nur mehr wenige unserer gewohnten Speisefische können guten Gewissens verzehrt werden (siehe Kasten Seite 33).
Ozeane sind die wahren Lebensspender der Erde, weshalb unsere Partnerzeitschrift New Internationalist von der Erde als „Planet Ozean“ spricht. Von ihr haben wir die folgenden Thema-Seiten übernommen.
Die Meere beherbergen 90 Prozent aller Biomasse. Doch fast 90 Prozent der Bestände der großen Fischarten hat der Mensch bereits vernichtet. Die Ozeane gehören zu den wichtigsten CO2-Senken der Erde. Ihre Strömungen fungieren als natürlicher Thermostat des Planeten. Die Weltmeere sind schlechter erforscht als unsere Nachbarplaneten – und wesentlich weniger im Blickpunkt globalen ökologischen Interesses wie etwa die Erdatmosphäre.

Fast die Hälfte der Erdbevölkerung lebt in Küstennähe. Jetzt müssen die KüstenbewohnerInnen Afrikas zum Beispiel dabei zusehen, wie ihnen von riesigen Fangflotten mit zerstörerischen Methoden die lebenswichtige Protein-Quelle Fisch vor der
Nase weggefischt wird. In der Zukunft könnte es geschehen, dass das Wasser, auf und von dem wir alle leben, sich in eine leblose giftige Kloake verwandelt. Mit im wahrsten Sinne des Wortes unvorstellbaren Folgen.
Die Tiefsee gehört niemandem. Daher missbrauchen Menschen die Ozeane als gigantische Mülldeponie, Abwassersenke und unbegrenzte Eiweißressource. Das Schicksal öffentlicher globaler Güter.

Es ist höchste Zeit, dass sich ein Problembewusstsein bildet – auch in einem Binnenland wie Österreich und nicht nur zur Heringschmaus-Saison. Denn alle Probleme des Meeres beginnen am Land.

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