R. K. Narayan: Reifeprüfung

Von Irene Stark
Aus dem Englischen von Ursula Gräfe.
Insel-Verlag, Frankfurt a. M. 2004, 200 Seiten, EUR 18,90

Der junge Brahmane Chandran ist ein guter Student und bereitet sich seriös auf sein Geschichtsexamen vor. Zu Hause wird er umsorgt und verwöhnt, es fehlt ihm an nichts. Auf einem Spaziergang am Flussufer sieht er von weitem ein Mädchen und verliebt sich unsterblich in sie, ohne je ein Wort mit ihr gewechselt zu haben. Er bringt seinen Vater dazu, die ersten Kontakte mit ihrer Familie zu knüpfen und eventuell eine Heirat mit ihr zu ermöglichen.
Als erstes werden die Horoskope der beiden „Zukünftigen“ erstellt, um sie auf ihre Übereinstimmung auszuwerten. Die Familie der jungen Malathi findet, dass die Horoskope nicht harmonieren, und ist gegen eine Heirat, obwohl die aus bescheidenen Verhältnissen stammende Malathi mit Chandran durchaus eine gute Partie gemacht hätte. Ihre Absage bringt Chandrans bisher so geordnetes Leben völlig durcheinander. Er bricht auf, um als Bettelmönch umherzuziehen. Nach acht Monaten kehrt er nach Hause zurück. Anstatt wie geplant zum Studium nach England zu fahren, beschließt er, sich eine Arbeit zu suchen. Er kümmert sich um den Vertrieb einer Zeitung und entpuppt sich als cleverer Geschäftsmann.
Obwohl der Roman bereits 1937 erschien, ist er von Thema und Stil her sehr aktuell und wirkt keineswegs altmodisch. Dass ein junger Mann sich in der Phase der Berufsfindung und des Erwachsenwerdens durch eine unerfüllte Liebe verunsichern lässt, ist auch heute vorstellbar.

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