Realsozialismus im Kochtopf

Von Lydia Matzka ·

ťReis mit BohnenŤ ist die gängigste Speise Kubas. Die Karibikinsel hat aber weit mehr Gaumenfreuden zu bieten.

„Si cocinas como caminas, me como hasta la raspa!“ – ”Wenn du so kochst wie du gehst, kratze ich noch den letzten Rest aus dem Topf!“ Getreu diesem kubanischen Machospruch geht die kubanische Liebe selbstverständlich auch durch den Magen. Und ein Essen ohne Liebe? Nicht auf Kuba! Wie würde das weibliche Geschlecht wohl hierzulande auf diesen Liebesschwur reagieren? Schwierige Frage, die ich lieber unbeantwortet so stehen lasse.

Die kubanische Küche jedenfalls ist eng mit Sinneslust verbunden. Die KubanerInnen lieben das Essen wie ihren ”Havanna Club“ (Rum), ihre Zigarren, Salsa-Rhythmen und die Liebe. Und von allem bitte ganz viel, denn schließlich lebt man nur einmal und im Hier und Jetzt.

Trotz des jahrzehntelangen US-Embargos, Monokultur und Planwirtschaft hat Kuba seine sprühende Lebensfreude, auch was das Kulinarische anbelangt, nicht verloren. Kubas Küche ist bodenständig. Sehr gerne gegessen werden Kochbananen, Mais, Reis, schwarze Bohnen und Wurzelgemüse wie Maniok und Süßkartoffeln.

Ein richtig kubanisches Essen allerdings ist erst dann perfekt, wenn sich die Fleischstücke nur so türmen. So gehören Spanferkel, eingelegte Schweinskoteletts oder üppige Eintöpfe mit Hühnerfleisch, Knoblauch und Kräutern zum Speiseplan.

Die afrikanischen SklavInnen hinterließen die damals als minderwertig geltende, heute sehr beliebte Speise Malanga blanca (weißer Maniok). Auch die auf Kuba eingewanderten ChinesInnen gaben der kubanischen Küche Charakterzüge. Die Konservierungsmethoden wie das saure Einlegen von Gemüse und Fisch entwickelten die Chinesen. So gehen einige Sorten von Pökelfisch und andere mit Salz haltbar gemachte Meerestiere auf sie zurück. Zum reichhaltigen Essen werden Refrescos (alkoholfreie Erfrischungsgetränke) oder Bier serviert. Sehr beliebt ist das Hatuey, benannt nach Kubas erstem (indigenen) Revolutionär.

Quelle: Kubanisch kochen von Birgit Kahle, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2001, öS 248,–

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