Reich & gut. Wie Bill Gates & Co. die Welt retten

Helmut Spudich

Von Werner Hörtner

Verlag Ueberreuter, Wien 2010, 192 Seiten, € 19,95

Eine „neue Ära der Philantropie“ sei angebrochen, freut sich der Journalist und Wirtschaftsredakteur der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“. Und meint den Untertitel seines Buches über die reichen weltrettenden Philantropen offensichtlich ernst. Der Autor ist sich jedoch dessen bewusst, dass die gespendeten Milliarden nur dann Wirkung entfalten können, wenn es gelingt, damit dauerhafte, nachhaltige Lösungen zu finden. Und er stellt auch fest, dass die Philantropie der Reichen nicht als Ersatz für die soziale Verantwortung des Staates dienen darf, sondern vielmehr als eine finanziell unabhängige Stimme, um gerade diese Verantwortung einzufordern.

Auf vielen Seiten erzählt Helmut Spudich ausführlich, wie viele Milliarden von – vor allem US-amerikanischen – Philantropen für Maßnahmen wie Gesundheitsversorgung und -prävention, Armutsbekämpfung, Schulbildung usw. gespendet oder, um in ihrem Jargon zu bleiben, investiert werden. Für Zielsetzungen also, die fast ident sind mit denen der Entwicklungszusammenarbeit oder den Millennium-Entwicklungszielen. Aus diesem Zahlendschungel war es zumindest dem Rezensenten nicht möglich auszurechnen, wie viel Geld in welchem Zeitraum für welche Maßnahmen zur Verfügung gestellt wurde. Laut Spudich warfen allein Bill Gates und Warren Buffet, langjährige Listenführer der reichsten Männer der Welt (es sind wirklich fast nur Männer), 75 Milliarden US-Dollar in den philantropischen Topf.

Dass der Autor in den Kapitalismus verliebt scheint, wenn dieser nur mehr soziale Verantwortung übernähme und die Gewinne breiter verteilte, soll unwidersprochen bleiben. Doch jede Apologie muss sich an einem Ergebnis messen lassen. Und hier bietet das vorliegende Buch leider keines.

Es müsste ja nicht unbedingt eine Kritik sein – obwohl z.B. im Fall der so hochgelobten Grameen-Bank ein kritischer Blick am Platz gewesen wäre. Doch zumindest den Versuch einer Evaluierung hätte ich mir als Leser erhofft. Das US-Online-Magazin „Slate“ veröffentlicht jährlich ein Ranking der großzügigsten Spender in den USA. Wäre es nicht interessant gewesen zu erfahren, was mit dem vielen Geld geschieht?

Und so musste ich das Buch etwas enttäuscht wieder weg legen, immer noch in Unkenntnis darüber, was nun die milliardenschweren Spenden der reichen Philantropen tatsächlich bewirken und erreicht haben.

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