Resi grast am Amazonas

Von Irmgard Kirchner ·

Nutztiere sind ein wichtiges entwicklungspolitisches Thema. Das ist an sich nicht neu. 1975 erschien „Warum sie so arm sind“ von Rudolf Strahm. „Der Strahm“, wie dieses Standardwerk fortan genannt werden sollte, bot eindrucksvolle Schaubilder zu Überentwicklung und Unterentwicklung. Bereits darin wurde die Getreideverschwendung durch Fleischproduktion angeprangert unter dem Stichwort „Nahrungsmittel der Armen als Futter für das Vieh der Reichen“.

„Das ist Resi“ – war 1987 eines der Sujets der preisgekrönten Kampagne des ÖIE (der Vorläuferorganisation von Südwind) „Die Dritte Welt ist auch die unsere“. Resi, eine typische österreichische Kuh, so wurde kritisiert, bekomme Kraftfutter, damit sie mehr Milch produziert, die preisgestützt exportiert werde. Von diesem Getreide würde in Österreich allein so viel verbraucht, dass man davon 13 Millionen Menschen ernähren könne.

Wenig später, rund um den Weltgipfel zu Umwelt und Entwicklung in Rio 1992, wurde auch Fleisch als Klimakiller gebrandmarkt. Denn Viehhaltung verursacht klimaschädliche Emissionen von Stickoxiden, Methangas und Ammoniak auf mehrfache Weise: durch Bodenverbrauch und eine Veränderung der Bodennutzung sowie direkt durch die Tiere und ihre Ausscheidungen.

Die jüngste Entwicklung ist vor allem quantitativ: Der Fleischkonsum wächst weltweit rasant. Das ehemalige Luxusprodukt wird global zum Massenprodukt. In Kombination all dieser Faktoren wird das Nutztier scheinbar endgültig zum Schadtier. Eine Verengung: Tiere werden nicht mehr gesehen als historisch und kulturgeschichtlich bedeutsame Begleiter der Menschen, denen man auch mit Wertschätzung, Respekt und Verantwortungsgefühl begegnet.

Immer noch sind Millionen Menschen, vor allem in Armutsregionen, für ihre Subsistenz von Nutztieren abhängig.
Doch zumindest in den Wohlstandsländern zeichnet sich eine weitere Entwicklung ab. Vegetarismus und Veganismus boomen. Das anthropozentrische Weltbild bekommt feine Sprünge. Es entstehen neue Sichtweisen auf Tiere und auf die Grenzen zwischen Mensch und Tier. Und wie immer ist das Verhältnis des Menschen zum Tier voller Widersprüche.

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