Robert Kurz: Schwarzbuch des Kapitalismus.

Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, Dezember 1999. 792 Seiten, öS 496,-.

Von Thomas T. Divis
Den barocken, in Heimarbeit produzierenden Menschen erschien das neue Fabrikssystem als ungeheure Zumutung, der sie oftmals die selbstbestimmte Armut vorzogen. Nur durch einen "kaum im historischen Bewußtsein" erscheinenden "bald schleichenden und bald offenen Bürgerkrieg in ganz Europa" konnten sie zur Fabriksarbeit diszipliniert werden.

Der in Nürnberg lebende Autor, Mitherausgeber der gesellschaftskritischen Zeitschrift "Krisis", versucht in seiner Analyse unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems den Blickwinkel dieser Menschen zu bewahren, die die brutale Leistungsideologie des Liberalismus noch nicht verinnerlicht hatten. So verfolgt er den Weg der Marktwirtschaft von den frühen Liberalen über die erste industrielle Revolution, Imperialismus, Fordismus bis zur gegenwärtigen dritten industriellen Revolution.

Die zentralen Kritikpunkte Kurz' sind die "abstrakte Arbeit" (Warenproduktion für anonyme Märkte), Geldeinkommen und Warenkonsum. Allerdings werden diese Kriterien (besonders die "abstrakte Arbeit" mit dem für Kurz integrierten Staatsgedanken) bei ihm so sehr betont, daß für Weiteres kein Platz bleibt, etwa Eigentums- und Machtverhältnisse. Als weitere Kritikpunkte seien genannt: ein fehlender positiver Arbeitsbegriff und die Negierung von Menschen als biosoziale Einheiten. Trotzdem sei dem Buch eine rege Diskussion gewünscht - das Thema wird uns in Zukunft noch genug unter den Nägeln brennen. EinsteigerInnen in Sachen Kapitalismuskritik werden ihm eine Menge Denkanstöße und Facts entnehmen.

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