Rückkehr in die Redaktion

Der kolumbianische Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez ist zur Publizistik zurückgekehrt, zur Leidenschaft und zum Beruf seiner Jugend Er kaufte kürzlich eine Wochenzeitschrift und hält Kurse für Journalismus ab.

Von Werner Hörtner
Der Journalismus stand am Beginn der Laufbahn des Literaturnobelpreisträgers von 1982, und dorthin kehrt der heute 72jährige Autor nun wieder zurück. Er hat sich erneut in seiner Heimat niedergelassen und in der Innenstadt des malerischen Cartagena de Indias an der Karibikküste ein Haus nach seinen Plänen umbauen lassen. Schon vor Jahren hat er die "Stiftung für einen neuen Iberoamerikanischen Journalismus" ins Leben gerufen, deren Ziel die Aus- und Fortbildung journalistischer Fachkräfte ist. Teilweise leitet Gabo, wie ihn Freunde und Kollegen nennen, die Kurse selbst.

Die hervorragendste journalistische Gattung ist für García Márquez die Reportage. Als Reporter begann er Ende der vierziger Jahre für die Zeitung El Universal zu schreiben. Mit seiner Reportage über den Tod von 14 Schiffbrüchigen, den kolumbianischen Marine-Admiräle zu verantworten hatten, (später als Buchausgabe erschienen: "Bericht eines Schiffbrüchigen"), die 1955 in El Espectador erschien, erregte er erstmals großes Aufsehen in seiner Heimat. Bis hinauf in die höchsten Kreise der Macht: Die Auflage stieg mit jeder Folge von García Márquez' Reportage, woraufhin der damalige Diktator Rojas Pinilla die Zeitung einstellen ließ.

Beim letzten Kurs an seiner Journalisten-Akademie im vergangenen Dezember erinnerte sich Gabo an seine eigene Lehrzeit beim "Universal" und an das Schicksal seiner ersten Meldungen: "Direktor Clemente Manuel Zabala las die Meldung, strich alles durch und schrieb sie zwischen den Zeilen neu. Bei meinem zweiten Artikel derselbe Vorgang. Ich verbrachte Tage damit herauszufinden, warum und wie er die Änderungen anbrachte. Dann hat er mir weniger ausgebessert, bis er eines Tages nichts mehr durchstrich. Ab diesem Augenblick war ich offenbar Journalist."

Doch García Márquez kümmert sich mit seiner Stiftung nicht nur um die Ausbildung spanischsprachiger Journalisten und Journalistinnen, er will nun auch direkt in die Medienlandschaft seines Landes eingreifen. Im vergangenen Dezember kaufte er die Wochenzeitschrift "Cambio" - neben "Semana" das bekannteste politische Magazin Kolumbiens - von der bisherigen Eigentümerin, der Journalistin Patricia Lara.

Genauer gesagt, der Autor selbst erwarb 50 Prozent der Anteile, die andere Hälfte teilt sich eine aus den namhaftesten VertreterInnen des kolumbianischen Journalismus bestehende Personengruppe: María Elvira Samper, Mauricio Vargas, Pilar Calderón, Roberto Pombo und Ricardo Àvila.

In der zweiten Jännerwoche erschien die erste Nummer unter der Verantwortung des Haupteigentümers García Márquez. Sie ist zu einem großen Teil den eben beginnenden Friedensverhandlungen in Kolumbien gewidmet (s. Artikel in dieser Ausgabe auf S. 23) Der Schriftsteller kündigte bereits an, daß er diesen Prozeß journalistisch begleiten wolle.

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