Rückschritte

Historische Konferenz in Alma Ata 1978: Seither wird Verrat an der Vision von „Gesundheit für alle“ geübt.

Ungleichheit macht krank. So bringt es Amartya Sen, 1998 Träger des Wirtschafts-Nobelpreises, auf den Punkt. Zum Beispiel geben die USA in Summe viel Geld für Gesundheit aus. Bei den Gesundheitsindikatoren schneiden sie jedoch schlechter ab als andere reiche Länder – zurückzuführen auf die hohe Ungleichheit. Das ist keine unbedingt neue Erkenntnis. Erschreckend sind die Rückschritte, die gemacht werden, wenn es darum geht, wie über Gesundheit weltweit nachgedacht wird –­­­ gemessen am Stand von 1978 bei der legendären Konferenz von Alma Ata, heute Kasachstan.

Dafür bieten die folgenden Thema-Seiten, die wir von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist übernommen haben, eindrucksvolle Beispiele.

In Alma Ata formulierte die Internationale Gemeinschaft eine Vision von primärer Gesundheitsversorgung für alle. Kostengünstig, gerecht und basisdemokratisch.

Doch seither hat sich das westliche Modell der Gesundheitsversorgung mit teurer Spitzenmedizin und ärztlichem Allmachtsdenken, das die Eigenverantwortung lähmt, weiter durchgesetzt. Die enormen Fortschritte der medizinischen Wissenschaft kommen nur einem kleinen Prozentsatz der Menschheit zugute. Immer noch sterben täglich im Schnitt 19.000 Kinder unter fünf Jahren an vermeidbaren Krankheiten und Mangelernährung. Dabei könnten schon sehr einfache Interventionen große Verbesserungen bewirken.

Fehler, die in Ländern des Südens gemacht worden sind, werden in Europa wiederholt.
Die im Zuge der Strukturanpassungsprogramme eingeführten Ambulanzgebühren haben direkte und messbare Auswirkung auf die gesundheitliche Situation der ärmsten Bevölkerungsschichten gezeigt. In Griechenland und Portugal wurden wegen der Staatsschuldenkrise aktuell die Benützergebühren für medizinische Einrichtungen erhöht. Mit dem Ergebnis, dass sich die Krankheiten der Armen wieder ausbreiten.

Ein positives Beispiel liefert Kuba, ein makroökonomisch „armes Land“, das nicht nur selbst bei Gesundheitsindikatoren gut abschneidet, sondern auch andere Länder im Gesundheitssektor „auf Augenhöhe“ unterstützt.
Irmgard Kirchner

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