Run auf Land

Von Ralf Leonhard
Wo Konzerne Monokulturen anbauen, wie hier in Kenias Yala-Sümpfen, werden die Einheimischen ausgesperrt.

Land Grabbing kann man am besten mit „Landraffen“ übersetzen. Gemeint ist der rasant beschleunigte Prozess der Aneignung von Land für eine kommerzielle, oft industrielle Landwirtschaft. Meist handelt es sich um ausländische Investoren, und die von ihnen erworbene Landfläche übersteigt die durchschnittliche Betriebsfläche vor Ort um ein Vielfaches. Die Erzeugnisse – Nahrungsmittel, Futtermittel oder Energiepflanzen – sind in der Regel für den Export bestimmt.

So wie einst die europäischen Mächte miteinander wetteiferten, um die reichsten Kolonien zu erobern, geht es heute um die Sicherung von Rohstoffen für eine voraussehbar kargere Zukunft. Neben mineralischen Ressourcen, Holz und Fischgründen sind in den letzten Jahren die Ackerflächen der Welt Gegenstand von Investitionen und Spekulation geworden. Dass dabei die Rechte der einheimischen Bevölkerung unter die Räder kommen, ist eine logische Begleiterscheinung. Mehrere Untersuchungen haben bewiesen, dass ihre Ernährungssicherheit durch solche Projekte leidet. Das Argument, eine wachsende Weltbevölkerung bedürfe größerer Investitionen in großflächigen Anbau, dient nur der Beschönigung einer Praxis, die von der Weltbank mit ihrem Entwicklungsdiskurs, aber auch der EU mit ihrer Rohstoffinitiative mitgetragen wird.

Erleichtert wird der Landklau durch schwache Regierungen und lokale Eliten, die entweder nicht in der Lage sind, dem Druck von außen standzuhalten oder selbst davon profitieren. „Du musst hin, wo geschossen wird. Das ist Afrika“, wurde der US-Investor Philippe Heilberg, Chef von Jarch Capital, vor zwei Jahren in der Financial Times zitiert, nachdem er im Sudan 400.000 Hektar Land von einem Warlord erworben hatte.

Weltweite Proteste und eine weitgehend kritische Medienberichterstattung haben dazu geführt, dass die Weltbank gemeinsam mit der FAO und dem Internationalen Fonds für Landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) einen Verhaltenskodex für Agrarinvestoren erarbeitet hat. Solche freiwilligen Leitlinien sind aber in der Regel nutzlos, wenn es um das große Geschäft geht. Und das Modell der Plantagenwirtschaft, das schon soviel Schaden angerichtet hat, wird damit überhaupt nicht in Frage gestellt.

nach oben

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen