Schattenbanken

Die mangelnde Regulierung des expandierenden Schattenbanksektors vor allem in Schwellenländern könnte sich rächen, meint Grace Blakeley.

Als Mark Carney, Gouverneur der Bank of England (der britischen Notenbank), früher im Jahr nach der bedeutendsten zukünftigen Bedrohung des internationalen Finanzsystems gefragt wurde, antwortete er: „Schattenbanken in Schwellenländern.“ Was sind Schattenbanken, und warum stellen sie ein besonderes Risiko dar?

Eine Bank ist eine Institution, die Kredite vergibt und Einlagen entgegennimmt, um diese Kreditvergabe zu finanzieren. Diese Einlagen werden bis zu einer gewissen Höhe vom Staat garantiert. Schattenbanken dagegen vergeben Kredite ohne derartige Einlagen; dazu gehören beispielsweise Hedgefonds, Pensionsfonds und Private-Equity-Fonds. Im Fall der Zahlungsunfähigkeit einer Schattenbank tragen die Investoren/Gläubiger das gesamte Risiko.

Viele der komplexen Finanzinstrumente, die der Finanzkrise zugrunde lagen – vor allem Wertpapiere, die durch Forderungen aus Hypotheken besichert waren – befanden sich großteils im Besitz von Schattenbanken. Als der Wert dieser Instrumente 2007 in den Keller fiel, kollabierte auch das System der Schattenbanken in den reichen Ländern.

Wiedererstarken nach der Krise. Seither hat sich jedoch das Blatt wieder gewendet. Nach Angaben des von der G-20, der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer eingerichteten Financial Stability Board (FSB) befanden sich Ende 2016 47 Prozent aller Finanzanlagen in den erfassten Ländern, die 80 Prozent des Weltwirtschaftsprodukts repräsentieren, im Besitz von Schattenbanken. Die Bedeutung der Schattenbanken nahm insbesondere im globalen Süden zu, was die Antwort Carneys erklärt.

Die größten Sorgen betreffen China, wo Schattenbanken Finanzanlagen im Wert von 15.000 Mrd. US-Dollar halten – das sind rund 130 Prozent des chinesischen BIP. Das Wachstum des Sektors hängt mit der enormen Zunahme der privaten Verschuldung in China zusammen: die Schulden des Privatsektors stiegen von 6.000 Mrd. Dollar in 2007 auf heute 29.000 Mrd. Dollar oder 260 Prozent des BIP.

Zweifellos hat sich das regulatorische Umfeld seit der Finanzkrise verbessert. Es gab auch ambitionierte Vorschläge für die Regulierung sowohl der Banken als auch der Schattenbanken – von der Trennung des Einlagen- und Kreditgeschäfts vom Investmentgeschäft bis zur Besteuerung von Finanztransaktionen. Manches davon wurde umgesetzt. Aber nachdem sich der Staub gelegt hatte, geriet viel davon einfach in Vergessenheit.

Unberührter Bereich. Während die regulatorischen Schrauben für das Bankensystem seit der Finanzkrise weiter angezogen wurden, blieb das System der Schattenbanken jedoch fast zur Gänze unberührt. 2017 äußerte sich der IWF in einem Bericht zu Schattenbanken besorgt, dass das Risiko „sich in Bereiche des Finanzsystems verlagert hat, wo es weniger Transparenz gibt und uns weniger Instrumente zur Verfügung stehen“.

Sobald im internationalen Finanzsystem wieder eine gewisse Stabilität einkehrt, warnte der Ökonom Hyman Minsky, der bekannte Theoretiker von Finanzkrisen, ist die nächste Krise nicht mehr weit. An Lösungsvorschlägen gibt es keinen Mangel – von Eigenkapitalvorschriften für Schattenbanken bis zur Beschränkungen ihres Kreditvolumens. Aber wenn es demokratischen Regierungen nicht gelingt, die Macht des Finanzsystems zu bändigen, werden Finanzinstitutionen – Schattenbanken und traditionelle Banken – auch ihre wohlgemeintesten Versuche untergraben, den Finanzsektor zu kontrollieren.

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Grace Blakeley ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Commission for Economic Justice am Institute for Public Policy Research, einem progressiven Thinktank in London.

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