„Schlechte Optik“

Von Irmgard Kirchner
Werden sie erwischt, nennen sie es gerne „schlechte Optik“. Bleiben die Transaktionen geheim, können die Täter gleichsam über Nacht ein Vermögen verdienen. Die Rede ist von Insiderhandel, einem strafrechtlich verfolgbaren Delikt. Der Tatbestand ist gegeben, wenn Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers auf Grund von vertraulichen Informationen erfolgt. Naturgemäß sind es meist die leitenden Funktionäre von Unternehmen, die über diese Informationen verfügen.
Insiderhandel ist nur eine Spielart der Wirtschaftkriminalität, der die folgenden Thema-Seiten, übernommen von unserer Partnerzeitschrift New Internationalist, gewidmet sind. Ein Blick in die heimischen Zeitungen stellt einen aktuellen Bezug zu Österreich her. Zum Beispiel durch Voestalpine-Chef Franz Struzl, dem Insiderhandel vorgeworfen wird. Dieser kam vermutlich einer Anklage zuvor, indem er die mögliche Höchststrafe von 50.000 Euro für seinen Aktiendeal freiwillig bezahlte und seinen Gewinn in der Höhe von 250.000 Euro an wohltätige Institutionen spendete.

Das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin Fortune analysierte 1.035 Unternehmen, deren Aktien zwischen 2000 und 2002 mindestens drei Viertel ihres Werts verloren hatten. Im selben Zeitraum hatten Mitglieder der leitenden Organe dieser Firmen rund 66 Mrd. Dollar verdient.
Derartige, schier unglaubliche Vermögenstransfers von den kleinen als „Arbeiter-Kapitalisten“ geköderten KleinanlegerInnen hin zu den Führungsriegen eben dieser Unternehmen gelten immer noch als eine Art Kavaliersdelikt, ein Unrechtsbewusstsein fehlt in den meisten Fällen.
Insiderhandel ist nur eine der Spielarten der Wirtschaftskriminalität, zu der auch Bilanzfälschung, Betrug, Umweltverbrechen, die Vermarktung gefährlicher Produkte sowie Korruption und Bestechung gehören.
Die österreichische Bundesregierung will das Volk geschlossen in die private Pensionsvorsorge treiben. Der Handlungsbedarf in Richtung Kontrolle der Unternehmensführung ist enorm. Die gute Nachricht: der Themenbereich „Corporate Governance“ boomt international und auch hierzulande.

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