„Schwarze Löwen fressen Maradona“

Viele Superstars des europäischen Fußballs sind Afrikaner. In den Medien werden sie mit Stereotypen und Klischees bedacht.

Von Bella Bello Bitugu

Seit mehr als 100 Jahren tragen afrikanische Spieler zur Entwicklung des Weltfußballs, speziell des europäischen, bei. Bereits 1880 spielte Arthur Wharton aus dem heutigen Ghana in England. Algerische Stars prägten bis zum Unabhängigkeitskrieg (1954 bis 1962) den französischen Fußball.

Die Leistungen afrikanischer Länder in den 1980er und 1990er Jahren, ob bei den Jugendweltmeisterschaften oder der Erfolg von Kamerun bei der WM in Italien im Jahre 1990, führten zur Anhebung der Zahl afrikanischer Länder bei der Weltmeisterschaft von 2 auf 5.

Das so genannte Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 1995 liberalisierte den Fußballmarkt und öffnete für afrikanische Spieler die Tür nach Europa. Heute haben fast alle der 53 Mitglieder des europäischen Fußballverbandes UEFA afrikanische Spieler. In manchen europäischen Ligen sind 50 Prozent aller ausländischen Spieler Afrikaner. Und etwa ein Fünftel aller ausländischen Superstars im europäischen Fußball sind Afrikaner. Afrika stellte 31 Spieler der Champions League von 2007/08. Auch in der Österreichischen Fußballliga waren in der Saison 2007/08 über ein Viertel aller ausländischen Spieler Afrikaner.

Die Fans bewundern ihre Superstars aus Afrika und tragen Shirts mit ihren Namen. Afrikanische Spieler stehen im Mittelpunkt öffentlichen Interesses, und damit steht auch Afrika im Rampenlicht. Werden afrikanische Spieler in österreichischen Stadien rassistisch angegriffen und diskriminiert, kommt es zu einer öffentlichen Diskussion dieser wichtigen Themen. Dabei geht es nicht nur um die Situation der Fußballspieler, sondern auch die von AfrikanerInnen in Österreich allgemein. Projekte im Bereich "Fußball und Entwicklung" führen zum Austausch zwischen österreichischen Organisationen und Organisationen in Afrika. Man lernt voneinander.

Eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung von Informationen über Afrika spielen die Medien. Bedauerlicherweise greifen sie oft das koloniale, imperialistische und pseudointellektuelle Erbe auf und übertragen es auf Fußball und Sport. Damit verbunden ist die Darstellung des Afrikaners als wild, primitiv und natürlich ausgestattet mit physischer Kraft, dafür wenig rational, faul und ohne Technik, Strategie und Ordnung. Die harte Arbeit und die enorme Leistung der afrikanischen Sportler werden komplett verleugnet. Diese Auffassung findet sich teilweise in der österreichischen Gesellschaft wieder.

Schwarze Löwen fressen Maradona und das nur mit neun Mann. Nach dem Sieg von Kamerun über Argentinien bei der Weltmeisterschaft 1990 konnte man diese Schlagzeile lesen. Oder Ausdrücke wie dieser ungeheure Müller aus dem Busch hören. Gemeint war Oman Biyik, der Gerd Müller als seinen Mentor bezeichnete. Als Schiedsrichter wurde ich in Tirol öfters gefragt, warum ich nicht schneller laufen könne, wo wir doch in Afrika mit Tigern (!) um die Wette rennen und 14 Kilometer in die Schule gehen müssen.

Schlagzeilen und Sätze wie: Afrikas Fußballzauber… Voodoo Praktiken sind auf dem Schwarzen Kontinent weit verbreitet … Hexenmasken sind bei afrikanischen und speziell südafrikanischen Fans an der Tagesordnung … Mit "Zauberkraft" und seltsamen Ritualen wollen die Fans ihr Team zum Sieg treiben … verstärken das Bild eines abergläubischen und in Ritualen verhafteten Afrika in der österreichischen Öffentlichkeit.

Als Südafrika den Zuschlag zur Austragung der Weltmeisterschaft bekam, zweifelten österreichische Medien an der rechtzeitigen Fertigstellung der Stadien und der Infrastruktur. Dass die Stadien und die nötige Infrastruktur längst existieren, wird kaum zur Kenntnis genommen. Während des "African Cup of Nations", der kürzlich stattgefunden hat, wurde das Team aus Togo angegriffen. Sogleich konnte man in diversen österreichischen Medien über ein unorganisiertes, chaotisches Afrika lesen, das wohl nicht in der Lage sein werde, die Weltmeisterschaft oder eine andere Großveranstaltung zu organisieren.

Afrika scheint immer eine Ausnahme und anders zu sein. Je Aufsehen erregender die Nachrichten, umso besser - ohne Rücksicht auf die Wirkung auf die öffentliche Wahrnehmung. Die Medien erkennen die enorme Beteiligung Afrikas am Fußball, am Sport und der Zivilisation nicht an. Wenn Afrika überhaupt erfolgreich ist, dann werden diese Erfolge als zufällig gesehen oder aufgrund von zugeschriebenen Faktoren erklärt. Auf jeden Fall beruhen sie nicht auf Fähigkeiten und harter Arbeit.

Bella Bello Bitugu, geboren in Ghana, war der erste schwarze Fußball-Schiedsrichter in Österreich. Der Lehrbeauftragte an der Universität Innsbruck beschäftigt sich wissenschaftlich und praktisch mit Fußball, Rassismus und Globalisierung. Er ist Europäischer Koordinator des Projektes Football for Development beim vidc.

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