Seitenweise verbindend

Von Redaktion · · 2016/12

Naher Osten – das ist mehr als Krieg und Katastrophen. Unser Buchhändler des Vertrauens empfiehlt drei lesenswerte Romane für ein besseres Verstehen.

Mathias Énard: Kompass (Hanser, Berlin 2016, 429 Seiten, € 25,70).

Mathias Énard, mit dem Prix Goncourt 2015 für sein Werk „Kompass“ ausgezeichnet, nennt in einem Interview Wien das Tor zum Orient. Dort liegt sein Protagonist schwer krank und schlaflos im Bett und tagträumt von seiner Liebe Sarah, einer berühmten Orientalistin. Beinahe fieberhaft durchlebt er noch einmal ihr Zusammensein, in Wien, Istanbul, Aleppo oder Damaskus. Gleichzeitig formuliert er präzise seine Gedanken an Völker verbindende Leistungen von Menschen wie Joseph von Hammer-Purgstall. Mit „Kompass“ hat Mathias Énard einen modernen Klassiker geschrieben. Er beschönigt die (Fernseh-)Realität nicht, aber mit Leidenschaft und überwältigendem Wissen führt er uns vor allem den Austausch der Kulturen vor Augen; vor allem auch, wie wertvoll er für alle Seiten war und ist.

Dževad Karahasan: Der Trost des Nachthimmels (Suhrkamp, Berlin 2016, 724 Seiten, € 27,70).

Von gleicher Qualität ist „Der Trost des Nachthimmels“ von Dževad Karahasan. Im Isfahan des 11. Jahrhunderts verliebt sich der Hof-Astronom Omar Chayyam in die Tochter eines einflussreichen Mannes, dessen Tod er aufklären soll. Seine akribischen Recherchen führen ihn in eine Richtung, die seine Liebe zerstören könnten. Dazu bedrohen Kreuzritter und Mongolen das Reich und ein von ihm geförderter Kollege entpuppt sich als Terrorist. Gegen Ende seines Lebens muss der große Philosoph und Dichter Bilanz ziehen: Der von ihm erfolglos bekämpfte Fundamentalismus hat eine blühende und von Vielfalt geprägte Kultur in den Untergang geführt.

Michelle Cohen Corasanti: Der Junge, der vom Frieden träumte (Fischer, Frankfurt 2016, 399 Seiten, € 10,30).

Michelle Cohen Corasanti lässt „Der Junge, der vom Frieden träumte“ in einem Dorf beginnen und führt uns dort das Leben mit aller Tragik vor Augen: Die kleine Schwester des zwölfjährigen Achmed gerät in ein Minenfeld; sein Vater wird grundlos verhaftet und er muss für die Familie sorgen. Dank seines mathematischen Talents erhält er ein Stipendium für ein Studium an der Universität von Tel Aviv, wo er der einzige Palästinenser ist und über die freundliche Aufnahme erstaunt ist, sieht er vom (anfänglichen) Hass eines Professors gegen ihn ab. Die Zeitung The Jerusalem Post findet, dass das Buch beide Seiten lesen sollten, um einander besser zu verstehen. Auch ich verstehe jetzt mehr.

Der Autor, Rudi Lindorfer, ist Buchhändler von Südwind Buchwelt in Wien.

Diese Bücher und noch viele mehr sind erhältlich auf: www.suedwind-buchwelt.at

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