Sensible Geschichtsschreibung

Von Redaktion ·

Aus dem Archiv

In der Südwind-Ausgabe 4/2015 (Seite 26) kritisiert Nour-El-Houda Khelifi das so genannte „Whitewashing“, mit dem Errungenschaften von Menschen dunkler Hautfarbe ausradiert würden. Sie fordert unter anderem eine „sensiblere Geschichtsschreibung“.

Und handelt sich damit selbst von einer Leserin, die sich in der Redaktion gemeldet hat, den Vorwurf der Geschichtslosigkeit ein – weil sie in diesem Zusammenhang den großen afrikanischen Historiker Joseph Ki-Zerbo nicht erwähnt habe.

In einem Nachruf auf den im Dezember 2006 verstorbenen Historiker und Politiker war im Südwind-Magazin 1- 2/2007 zu lesen:

Ki-Zerbos „Geschichte Schwarzafrikas“ wurde nach ihrem Erscheinen 1972 zum Standardwerk der Geschichtsschreibung aus afrikanischer Perspektive. Darin war zum Beispiel – wohl zum ersten Mal für ein breites Lesepublikum – vom „schwarzen“ Anteil an der ägyptischen Hochkultur zu lesen. Das Buch räumte auf mit dem Vorurteil vom „Kontinent ohne Geschichte“, das bis zu Georg Wilhelm Friedrich Hegels „Philosophie der Weltgeschichte“ 1830 zurück reicht.

Ki-Zerbo engagierte sich in der frühesten Unabhängigkeitsbewegung und trug als Wissenschaftler wesentlich zu einem nachkolonialen Selbstverständnis und Selbstbewusstsein des afrikanischen Kontinents bei. „Wenn man die Geschichte der Menschheit in 100 Abschnitte teilt, war Afrika in 90 Prozent dieser Abschnitte voraus“, betonte er in einem Südwind-Interview aus dem Jahr 1996 (SWM 9/1996, Seite 28).

Das Volltext-Archiv des Südwind-Magazins (ab dem Jahr 1999) ist kostenlos online zugänglich. www.suedwind-magazin.at

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