Shyam Selvadurai: Die Zimtgärten

Von Ralf Leonhard
Shyam Selvadurai: Die Zimtgärten
Roman, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000,
474 Seiten, öS 329,-

Eine doppelte Liebesgeschichte erzählt der sri-lankische Schriftsteller, der in Kanada lebt. In der Tamilenoligarchie in der Hauptstadt Colombo herrscht Unruhe angesichts bevorstehender politischer Umwälzungen. Eine Kommission aus London prüft 1927, ob und inwieweit der Kolonie Ceylon Autonomierechte übertragen werden können. Aber nicht nur die politischen Strukturen sind im Umbruch. Die durch die Kastengesellschaft auferlegten Zwänge werden von den AbsolventInnen englischer Eliteschulen zunehmend in Frage gestellt.
Die 19-jährige Annalukshmi bleibt lieber ehelos, als das Schicksal der in ihren Häusern eingesperrten Frauen traditioneller Patriarchen zu teilen. Viel lieber würde sie Lehrerin werden, wie ihr Vorbild, die englische Schuldirektorin Miss Lawton. Was sie aber nicht hindert, sich doch immer wieder in den Falschen zu verlieben. Noch schwerer hat es Balendran, dessen homosexuelle Liebe auf dem englischen College vom erzürnten Vater jäh beendet wurde. Als er 20 Jahre später und längst standesgemäß verheiratet seinen ehemaligen Liebhaber wieder trifft, versucht er erneut einen Ausbruch aus seiner engen Welt. Aber erst die Begegnung mit dem sterbenden, vom Vater verstoßenen, Bruder gibt ihm die Kraft zum Aufbegehren.
Der Geist Jane Austens, deren Romane aus dem frühen 19. Jahrhundert von der Heldin verschlungen werden, weht durch die verwickelten Beziehungsgeschichten. Allerdings kann man sich nicht darauf verlassen, dass am Ende die Heldin den Richtigen bekommt und alle aufgeworfenen Fragen gelöst werden.

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