Sicherheit ist relativ

Von Luna Al-Mousli ·

Für die Menschen in Syrien spielt Covid-19 nicht die gleiche Rolle wie für uns hier.

Seit zehn Jahren trägt meine Oma eine schwere Last mit sich herum. So wie viele andere, die in Wien in Sicherheit sind und deren Familien an Orten leben, wo diese Gewissheit nicht selbstverständlich ist. Sei es in Syrien, Myanmar, Palästina oder Afghanistan.

Omas Sorge um ihre Familienmitglieder und Bekannte in Syrien während der Covid-19-Pandemie ist für alle spürbar. Bei jedem Anruf werden die neuesten medizinischen Forschungsergebnisse geteilt und Impf-Gossip besprochen, als ob sich unsere Bekannten dort gleich für den besten Impfstoff anmelden könnten. Maßnahmen und Ratschläge werden erteilt – trotz des Wissens, dass die Lebensbedingungen in Syrien weder Homeoffice noch Abstandhalten erlauben würden, noch den Luxus, die Mund- und Nasenschutz-Masken regelmäßig zu wechseln.

Als am Beginn der Pandemie ein Foto von leergehamsterten österreichischen Supermarkt-Regalen in der Familien-Whatsapp-Gruppe geteilt wurden, kamen aus Syrien lachende Emojis, gefolgt vom Kommentar: „So schaut es seit zehn Jahren bei uns aus.“ Als Oma bei einem Video-Anruf darum bat, Familientreffen in Syrien zu vermeiden, meinte ihre Schwester dort: „Wenn die Bomben uns nicht umbringen, so wird es der Virus wohl auch nicht tun.“ Plötzliche Tode und Ausgangssperren sind sie gewohnt, genauso wie Homeschooling – weil an manchen Tagen das Benzin für den Weg in die Schule nicht ausreichte.

Auch wenn Oma über 3.000 km entfernt in Österreich in Sicherheit ist, begleiten sie die kriegs- und coronabedingten Sorgen um ihre Lieben durch den Alltag.

Luna Al-Mousli, geboren 1990 in Melk, aufgewachsen in Damaskus, lebt und arbeitet als Autorin und Grafik-Designerin in Wien.

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