Sigrun und Herbert Berger (Hg.): Zerstörte Hoffnung, gerettetes Leben

Chilenische Flüchtlinge und Österreich. Mandelbaum Verlag, Wien 2002, 313 Seiten, € 19,90.

Von Werner Hörtner
Sigrun und Herbert Berger erlebten die ganze Zeit der Unidad Popular, der Volksfrontregierung Allendes, in Chile, wo sie in Stadtrandsiedlungen der Hauptstadt Santiago im sozialen Bereich arbeiteten. Wenige Wochen nach dem Putsch vom 11. September 1973 flüchteten sie in die österreichische Botschaft und dann zurück in die Heimat, wo alsbald ein großes Aufgabengebiet auf sie warten sollte. Bundeskanzler Kreisky hatte erklärt, Österreich für die Flüchtlinge aus Chile öffnen zu wollen, und so kamen bis Mitte der 80er Jahre an die 1.500 ChilenInnen nach Österreich. Sigrun und Herbert Berger waren hier maßgeblich am Aufbau der Chile-Solidarität beteiligt.
1999 haben sie mit der Arbeit am vorliegenden Buch begonnen. Die Lebensgeschichten von neun Frauen und zwölf Männern, die alle als politische Flüchtlinge nach Österreich kamen, sind rührende, berührende, eindrucksvolle und auch interessante Berichte geworden. Erzählungen über die Kindheit in Chile, die Sozialisierung und Politisierung der Einzelnen und dann die große Tragödie, der 11. September 1973.
Obwohl allen Lebensgeschichten das Trauma des Militärputsches und der darauffolgenden politischen Verfolgung gemein ist, ist es kein Buch des Schreckens geworden, sondern vielmehr ein Buch menschlicher Wärme. Die einzelnen Biographien leben vom Kampf für eine bessere Welt, vom Widerstand, von der Solidarität – und heute ist es wohl deutlicher denn je, dass dieser Kampf nicht nur weitergehen muss, sondern dass er mit großen Schritten neuen, wenn auch noch nicht genau umrissenen Ufern zueilt.
Es ist dem Herausgeber-Paar zu danken, dass sie mit diesem Buch Zeitzeugen über die jüngste Geschichte Chiles und über ihre Erfahrungen als Flüchtlinge in Österreich zu Wort kommen ließen. Beiträge über die Entstehungsgeschichte des Buches, über die chilenischen Flüchtlinge in Österreich und über die Entwicklung Chiles in den letzten Jahrzehnten stellen zusätzlich einen Rahmen zum Verständnis der Lebensberichte dar.

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