So ein Mist!

Von Brigitte Pilz
Die Zugänge könnten unterschiedlicher nicht sein. Hier ein Wissenschaftler, vielleicht in einem glas- und chromblitzenden Bürogebäude in Frankfurt a.M., der an seinem Computer Modelle davon entwickelt, wie die Stoffströme eines industriell gefertigten Produktes zu messen sind, das heißt, wie viele Ressourcen, Energien, Umwelt das Produkt von der Wiege bis zur Bahre verbraucht. Dort eine Müllsammlerin am Rande von Mexiko-Stadt, die alle noch irgendwie verwendbaren Teile aus dem Abfallhaufen zieht, um sie zu verkaufen. Beide leben vom Müll. Sie und noch viele andere.
Mit Abfall sind aber auch noch lukrativere Geschäfte zu machen, wenngleich viele illegale: Export von Giftmüll von reichen in arme Länder. In den meisten Industriestaaten verbieten inzwischen Gesetze Geschäfte dieser Art. Sie werden vielfach missachtet. Und ein Skandal wie jüngst jener in Côte d’Ivoire gibt einen Blick auf die Realität frei. Viele Themen erfordern in Zeiten der Globalisierung Denken und Handeln über den Tellerrand hinaus. Abfallbeseitigung ist eines davon. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist keine nachhaltige Perspektive.

Auf der anderen Seite jene, die Abfall produzieren: Man könnte sagen, die Industrie oder die Wirtschaft, auch die Landwirtschaft. Letztlich sind es wir, die Konsumentinnen und Konsumenten. Und der Müll wird immer mehr und mehr. Er steigt mit unserem Wohlstand. So ein Mist! Wer hat den schwarzen Peter in der Hand?
Schuldzuweisungen werden uns nicht weiter bringen. Die folgenden Seiten geben einen Einblick davon, wie vielschichtig das Thema Müll ist. Deshalb ist es schwierig, zielführende Lösungen zu finden. Abfall ist eine klassische Materie zum Aspekt „Nachhaltigkeit“. Die Aufgabe lautet: Wie schaffen wir es, weniger Abfall zu produzieren bei gleichbleibender Lebensqualität für uns, steigender Lebensqualität für arme Gesellschaften und überhaupt Lebensmöglichkeiten für zukünftige Generationen? Und: Wie schaffen wir uns den trotzdem erzeugten Mist in sauberen Lösungen vom Hals? Dem Autor Christian Pladerer ist zuzustimmen: Für befriedigende Antworten werden noch viele Hirnströme nötig sein.
Und wieder mal: Nicht nur mehr Wissen brauchen wir. Auch Wollen. Unsere Wegwerfgesellschaft blüht wie nie zuvor.

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