Souad Massi: Deb

Wrasse Records, Österreich-Vertrieb Harmonia Mundi/Lotus

Von Werner Leiss
Viele Menschen assoziieren mit algerischer Musik ausschließlich Rai Musik, vorwiegend männlich, mit Künstlern wie Khaled, um den zweifellos Bekanntesten zu nennen. Dem ist freilich nicht so, so gab es beispielsweise 1999 im Cabaret Sauvage in Paris ein Femmes d’Algérie-Festival, bei dem eben nur algerische Künstlerinnen auftraten. Eine davon war Souad Massi. Die 1972 in Algier geborene Sängerin und Gitarristin studierte klassische arabisch-andalusische Musik. Mit 17 trat sie alleine mit Gitarre auf, spielte zur selben Zeit aber auch in einer Flamenco-Band. Die Band war freilich ein Flop, sie alleine mit Gitarre aber ganz bestimmt keiner. Die Balladen auf dem neuen, ihrem zweiten Album sind es nämlich, die wirklich berühren. Nichts jetzt gegen die hier gelegentlich auftretenden Flamenco-Gitarren, die Musiker sind ausgezeichnet, die wahre Stärke Souad Massis liegt aber bei aller Wertschätzung des breiten musikalischen Spektrums wohl dort, wo sie sich intensiv, bei sparsamer Instrumentierung, eindringlich mit zwischenmenschlichen Problemen und denen ihrer Heimat auseinander setzt.
Hier entsteht die größte Dichte, hier finden sich wahrlich unter die Haut gehende Folk-Balladen, die es gar nicht notwendig haben, wie schon des öfteren geschehen, mit denen von Joni Mitchell oder Joan Baez verglichen zu werden, sondern in ihrer Eindringlichkeit und Schönheit ganz für sich alleine stehen.

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